Camino Francés Tag 4 – Heute mal Kurzstrecke

13. Oktober 2018 – Arre – Pamplona (3,8 km)

Nach fast schon wahnwitzigen 3,8 km habe ich Pamplona erreicht. Ernsthaft – wenn ich gewusst hätte, dass dieses Stückchen so einfach ist, hätte ich es doch gestern noch hintendran hängen können. Schön eben über flache Bürgersteige. Aber da ich ja auch gestern wieder spät dran war, hätte ich vermutlich nur noch schwer einen Platz zum Schlafen gefunden – Pamplona war wegen des spanischen Nationalfeiertags und der großen Feiern proppenvoll.

Am 12. Oktober 1492 hat da wohl so ein Italiener als Dienstleister der spanischen Krone durch Zufall sowas wie einen neuen Kontinent entdeckt. Muss einem ja erst einmal jemand sagen, dass das ein Grund zum Feiern ist! Jedenfalls war gestern in Spanien „Día de la Hispanidad“ oder einfach Columbus-Tag. Das hatte ich natürlich überhaupt nicht auf dem Plan. Aber durch Zufall alles richtig gemacht. In Arre war dementsprechend auch ein großes Straßenfest. Gerne hätte ich mir an einem der Fressalienstände oder den Kneipen am Marktplatz mein Abendessen gegönnt. Aber die langen Warteschlangen haben mich dann doch in den Supermarkt um die Ecke getrieben. 5-Minuten-Terrine und ein Stück Brot mit Salami. Zu mehr kann ich mich heute nicht mehr aufraffen.

Ich habe mir heute morgen wirklich Zeit gelassen. Ich bin auch nicht wirklich schnell gelaufen. Trotzdem bin ich natürlich viel, viel zu früh in Pamplona und meine geplante Unterkunft die Casa Paderborn hat noch ihre Tore geschlossen. Auf einer Bank gleich vor der Brücke, über die man die Altstadt erreicht lasse ich mich daher erstmal für eine ausgiebige Frühstückspause nieder. Aber auch danach ist es noch einigermaßen früh, trotzdem beschließe ich mein Glück zu versuchen und gehe die letzten Meter in Richtung Herberge – und siehe da, ich habe Glück. Denn ich darf meinen ganzen Kram im Keller unterbringen, sodass ich ohne Gerödel in die Stadt gehen kann.

Ich bin durch die komplette Altstadt von Pamplona, vorbei an der Stierkampfarena, links und rechts durch schmale Gässchen. Es ist wirklich schön hier. Vor allem war es wirklich schon fast erholsam, ohne Rucksack unterwegs zu sein. Da sind dann plötzlich auch Anstiege kein so großes Thema mehr. Meine Brille hat ein netter Optiker auch kostenlos wieder repariert.

Zwischendurch habe ich auch ein paar Fotos gemacht. Da bin ich in den letzten Tagen vor lauter Laufen und Schnaufen gar nicht groß zu gekommen bzw. habe es schlichtweg vergessen.

Kurz nach Öffnung des Check-In bin ich wieder in der Herberge. Unterm Strich bin ich dann heute doch deutlich mehr als meine knapp 4km gelaufen. Mein schlechtes Gewissen hält sich also in Grenzen. Inzwischen sind auch schon die ersten Pilger eingelaufen, die eine vernünftige Tagesetappe hinter sich haben. Trotzdem darf ich mir das Bett noch aussuchen.

Jetzt sitze ich im Garten der Herberge unter einem Sonnenschirm und schreibe – und überlege, wie es morgen weitergeht. Angesagt sind Sturm, Regen und Gewitter, die Überreste eines Hurricanes (Lionel? Lassie? Irgendetwas mit L…). Ich überlege daher, nicht zu Fuß über den Alto del Perdón zu gehen, auch wenn der Pass nicht wirklich hochgelegen ist. Stattdessen könnte ich bis Uterga bzw. in die Nähe davon mit dem Bus fahren und die restlichen 10-12 km weiter bis Puente la Reina laufen.

Ab morgen gibt es Wasser mit Mineralzusätzen. 6 Päckchen zum Auflösen für 6,90 €, Schnäppchen. Warum ich mir das Zeug auch in der Apotheke kauften musste, weiß ich selbst nicht mehr so genau. Sowas sollte es ja auch in jedem Supermarkt geben, mehr für weniger. Aber vielleicht hilft es ja…

Am Abend haben sich irgendwie alle Pilger in der Herberge im Treppenhaus versammelt, klönen, lachen. Die Hospitalera Erica, total lieb und nett, hat uns dann auf Wein und Kekse in den Garten eingeladen. War richtig schön. Habe dabei Petra und Tanja kennen gelernt. Da wir alle drei ein bisschen in Sorge wegen des Wetters sind, haben wir beschlossen, morgen gemeinsam zu laufen und gegenseitig auf uns acht zu geben. Abgesehen davon, dass ich sicher ein tierisch schlechtes Gewissen gehabt hätte, wenn ich schon wieder geschummelt hätte, ist ein bisschen Gesellschaft unterwegs bestimmt nicht verkehrt.

Mit am Tisch haben auch zwei junge Mädels gesessen, die schon bis Estella gepilgert waren und dort kehrt gemacht haben, weil ihr Flieger nach Hause morgen ab Pamplona geht. Beide auch sehr nett, aber ultimativ nervig – haben sich beide stundenlang darüber beömmelt, dass wenn man irgendwo ein „O“ anhängt, das total lustig spanisch klingt. Nun ja… Ich musste spontan an die Los Wochos bei McD denken. Die beiden sind Erzieherinnen. Auch wenn ich mir dafür jetzt den Mund mit Seife auswaschen muss: Wenn die Kinder bei den beiden bis dahin noch kein ADHS haben, stecken sie sich da bestimmt an… Scherz.

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