Camino Francés Tag 6 – Der Pfad des Windes

15. Oktober 2018 – Zariquiegui – Mañeru (17,9 km)

Heute früh ging es verhältnismäßig spät los, erst gegen 8:30 Uhr. Dafür hat es heute wieder Traumwetter mit Sonne satt, vom gestrigen Unwetter keine Spur mehr. Trotz des Anstiegs auf den Pass des Alto del Perdón war es eigentlich sehr entspannt, erstaunlicherweise selbst für mich überhaupt kein großes Problem. Aber wir sind auch ganz gemächlich und gemütlich gelaufen, uns hetzt ja niemand. Wir sind bis Mañeru gelaufen, etwas weiter als unser eigentliches Ziel Puenta la Reina, um nicht allzu weit zurückzufallen. Wobei das eigentlich Quatsch ist, schließlich hat niemand von uns einen Zeitplan für den Camino, höchstens einen groben Rahmen. Wir laufen halt so weit, wie wir Lust haben, fertig.

Wenn man sieht, wie ausgewaschen die Wege teilweise sind, kann man nur sagen: Gut, dass wir gestern abgebrochen haben. Wer weiß, wie es auf der Wetterseite ausgesehen hätte, hier muss es ordentlich geschüttet haben. Abgesehen davon, dass es schon fast dumm ist, bei Gewitter über einen Berg gehen zu wollen.

Der Tagesablauf muss echt an die berühmte spanische Siesta angepasst werden. Wenn man mittags etwas zu essen oder zu trinken einkaufen möchte oder für einen Kaffee irgendwo einkehren möchte, ist alles geschlossen…

Die Herberge, der ganze Ort ist total urig. Gefällt mir. Die Hospitalera hat uns ganz herzlich empfangen und uns in Ruhe alles gezeigt. Im Vorraum gleich hinter dem Tor steht eine echte Ritterrüstung. Ob wir mit den anderen gemeinsam zu Abend essen wollen? Natürlich wollen wir! Wir haben also wieder mit einer bunten Gruppe zusammengesessen. Es waren Leute aus D, I, F, CZ, E, AUS, IND und den USA am Tisch. Apu der Inder (Warum nur muss ich an die Simpsons denken?), der in Kenia aufgewachsen ist und jetzt in den USA bzw. UK lebt, hat erzählt, er will nach dem Jakobsweg noch den Mount Kenia und den Kilimandscharo besteigen, hat er wohl schon einmal gemacht. Ich glaube, er war auch gestern schon mit uns in der Herberge, aber da bin ich mir nicht sicher. Fabian aus Brest ist den ganzen Weg von der Bretagne aus bis hierher gelaufen. Hammer. Aber so eine Tour macht er wohl auch nicht zum ersten Mal. Er will schon in spätestens drei Wochen in Santiago sein, deutlich schneller als meine Planung. Wir haben uns alle wirklich gut unterhalten und nicht eben wenig Wein getrunken, da bleibt für einen Tagebucheintrag irgendwie doch recht wenig Zeit.

Auch unterwegs haben wir uns zwischendurch gut unterhalten, da ist man wenigstens nicht so mit sich selbst beschäftigt. Auf großartige oder tiefgründige Diskussionen habe ich trotzdem zumindest auf dem Weg keine Lust, dazu ist es auch zu anstrengend. Zwischendurch sind immer Mal wieder Geier über uns gekreist. Ich fühle mich aber fit genug, dass mich mir wenig Sorgen mache, zusammenzubrechen und Futter für die Vögel zu werden.

Morgen geht es, wieder gemeinsam mit Tanja und Petra bis mindestens nach Estella.

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