Camino Francés Tag 14 – Im Gänsemarsch zu den Gänsebergen

23. Oktober 2018 – Belorado – Villafranca Montes de Oca (12,3 km)

Unfassbar schlecht geschlafen. Ich bin wieder öfter wach geworden, diesmal aber nicht wegen irgendwelcher Zipperleinchen, sondern weil ich zwischendurch einen Mist vom Feinsten geträumt habe. Trotzdem bin ich doch irgendwie ausgeschlafen. Gut, zwischen 21 und 7 Uhr kommt man halt immer irgendwie auf seine sechs bis sieben Stunden Schlaf.

Die Etappe heute bin ich mit Tanja gepilgert. Petra wollte zum Geburtstag ihres Sohnes noch etwas vorbereiten, der zurzeit einen Schüleraustausch in Patagonien macht und ist von der Herberge aus noch in die Stadt gegangen. Die ersten paar Kilometer hatte ich extrem schwere Beine, dann ging es irgendwann einigermaßen. In einer Bar bzw. Herberge, die keiner unserer Pilgerführer kennt, haben wir Pause gemacht und auf der Wiese vorm Haus in der Sonne gesessen und Kaffee getrunken. Wenn am Straßenrand nicht ein handgemaltes Schild „Bar 50m“ mit einem ausnahmsweise mal nicht gelben Pfeil nach links gestanden hätte, wären wir nie in die Seitenstraße abgebogen. Aber die Kaffeesucht war zu stark. Die Bar ist richtig, richtig schick! Der Gedanke, einfach den Rest des Tages da zu bleiben und die Füße hochzulegen, war schon verlockend. Aber die Strecke, die wir heute pilgern wollten, ist eh‘ schon kurz genug, also haben wir es bei einer ausgedehnten, tiefenentspannten Pause belassen.

Unsere für heute angesetzten 12 km hatten wir dann schon um kurz vor 12 Uhr hinter uns. Eine richtig schöne, entspannte Halbtageswanderung. Wir wollten trotzdem nicht weiter, da es auf den kommenden Kilometern in den Montes de Oca, den Gäsebergen, angeblich „schlimm steil“ aufwärts geht und es dann für die nächsten 10 Kilometer nichts mehr zum Einkehren gibt. Das wollten wir beide uns heute nicht mehr antun. Dann lieber ausgeruht und in aller Frische gleich morgen als erstes den Berg hoch. Danach noch ein oder zwei Dörfer weiter pilgern und wir kommen dann auf etwa 25 km. Das ist noch ganz entspannt und passt prima, um übermorgen in Burgos einzulaufen.

Wir sind diesmal nicht in einer Herberge abgestiegen, sondern in einer Casa Rural. Zwar etwas teurer, dafür aber Einzelbetten mit Bettwäsche und ein ordentliches Bad mit Handtüchern. Das heißt, der Schlafsack kann auch mal vernünftig Lüften. Unsere Wäsche haben wir beide komplett waschen lassen, nachdem es in der letzten Herberge den Verdacht auf Bettwanzen gab. Aber unsere Klamotten und Rucksäcke sind offensichtlich und Gottseidank „sauber“. Trotzdem, Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste, auf Wanzenbefall kann ich nämlich sehr gut verzichten. Wir sind auch die beiden einzigen Gäste. Stille!

Da das Restaurant nebenan wider Erwarten geschlossen hat, gab es kurzerhand selbstgekochte Nudeln mit Tomatensoße. Schnell, einfach und lecker. Viel mehr wäre auch nicht gegangen, denn der kleine Dorfladen, in dem wir uns eingedeckt haben, hatte ein mehr als überschaubares Sortiment. Im Anschluss sind wir noch in eine Fernfahrerkneipe nicht weit weg gegangen und haben uns ein paar Gläschen Wein gegönnt. So lässt es sich schon aushalten! Dass sich hier LKW-Fahrer auch ein Gläschen zwitschern und danach wieder auf den Bock klettern, scheint niemanden zu stören. Wahrscheinlich getreu dem Motto „,Ein Gläschen in Ehren kann niemand verwehren“.

Das Wetter soll weiterhin stabil schön bleiben. So viel Glück, was das angeht, ist ja schon fast unheimlich. Trotz aller Anstrengungen und ja, teilweise auch Schmerzen, macht das Laufen einfach Spaß!

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