Camino Francés Tag 27 – Schneeflöckchen, Weißröckchen

05. November 2018 – Astorga – Foncebadón (26,6 km)

Heute war der Tag der Langsamkeit, zumindest für mich. Ich bin in gemütlichem Spaziergangtempo gelaufen. Es war saukalt, aber das Laufen hält ja einigermaßen warm.

Irgendwann kommt man durch das kleine Örtchen El Ganso. Dort gibt es die halbwegs berühmte Bar „Meson Cowboy“, ein wilder Mix verschiedenster Stile und zwischendurch halt auch das eine der andere Wildwest-Accessoire. Aufwärmen war aber leider nicht, da die Bar keine Türe hat, zumindest keine die man mal eben hinter sich zu ziehen könnte, also war es drinnen genauso kalt, wie draußen. Immerhin gab es einen heißen Café von Leche.

Der finale Anstieg hoch in Richtung Cruz de Ferro war heute überhaupt kein Problem, das Wetter allerdings schon eher. Ich hatte noch kurz überlegt, ob ich in Rabanal del Camino bleibe, bin aber dann doch bis fast ganz nach oben gelaufen. Gute Laune, viel Motivation, also weiter! Zwar hatte es zwischendurch immer mal wieder ein bisschen getröpfelt, aber das war wirklich halb so wild, es hat sich nicht einmal gelohnt, den Poncho überzuziehen. Es war aber ja dann schon irgendwie klar, dass es weiter oben anfangen musste, zu schneien. Richtig dicke Flocken. Innerhalb von 20 Minuten war alles weiß. Der Poncho musste also doch noch ran – meine Windjacke hält zwar leichten Regen ab, aber wenn Schnee auf ihr festpappt, ist sie dann doch überfordert.

Trotzdem war es auch im Schnee eigentlich ganz angenehm, zu laufen. Zwar wurde es ein wenig rutschig und man musste auf die halb zugeschneiten Pfützen aufpassen, aber es war himmlisch still und total schön. Passt irgendwie zum Vormittag, an dem ich bestimmt 2 Stunden lang einem Regenbogen entgegengelaufen bin. Unterm Poncho war mir ordentlich warm, aber dass ich nur die dünnen Baumwollhandschuhe dabei hatte, war heute echt Mist. Unterwegs habe ich das gar nicht gemerkt, aber in der Herberge hatte ich dann eiskalte Finger. Kälte und nasse Handschuhe vertragen sich halt nicht.

Bin auch gerade noch rechtzeitig angekommen, trotz des langsamen Tempos. Zwar hatte ich im Grunde keinen Zeitdruck, bin aber ein wenig gegen das Wetter gelaufen – mittlerweile tobt draußen ein ausgewachsener Schneesturm. Die Markise der Herberge hat es schon dahingerafft. Es schneit waagerecht. Sauwetter. Aber im Zimmer ist es schön warm, die Klamotten trocknen auf den Heizungsrohren und meine Schuhe stehen vorm Kamin. Ein Kamin! Das ist jetzt gerade echt das genialste, was ich mir vorstellen kann!

Abendessen gab es heute wieder mit allen gemeinsam, ich finde das immer toll. Wie immer waren wir eine kleine, aber feine Gruppe – ein älteres französisches Ehepaar, eine Belgierin, ein Mexikaner und ein Chinese. Zur Abwechslung Mal kein Südkoreaner 😉 Und ich. Ach ja, und ein Baske. Kein Spanier, Baske. Ich wurde ziemlich rüde zurecht gewiesen, als ich meinte „…und Du bist Spanier?“. Nunja… Die Unterhaltung gestaltete sich aber allgemein ein wenig schwierig. Mexiko sprach nur Spanisch, Baskenland konnte zwar Englisch, war aber (bei dem Wetter!) fast nur vor der Türe zum Rauchen., China sprach allenfalls gebrochenes Englisch, Chinesisch könnte natürlich sonst niemand. Frankreich und Belgien waren in Englisch ganz passabel unterwegs, fühlten sich aber auf Französisch wohler. Da war Deutschland dann raus. Die Geflügel-Paella fand aber unabhängig von Sprachbarrieren allgemeine internationale Anerkennung.

Ich habe es bestimmt schon Mal erwähnt, vielleicht ist es ja allgemein aufgefallen: Ich bin sowas von schlecht im Namen merken!

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