Mosel-Camino Tag 5 – Trara hinter Tra-Tra

12.04.2019 – Traben-Trarbach – Klausen (24 km)

Dass der Titel des heutigen Beitrags absolut nichts mit dem heutigen Text zu tun hat, gebe ich am besten gleich zu Anfang zu. …und 5 € in die Schlechte-Wortspiel-Kasse gibt’s auch noch dazu. Aber da ihr ja neugierig wart und hier ‚reingeschnuppert habt, könnt ihr ja auch gleich weiterlesen 😉

Ich habe sehr unruhig geschlafen und dabei wieder irgendwelchen Mist geträumt. Dabei war das Bett sehr gemütlich und die Bettdecke schön warm. Als ich heute Morgen mit Frau Böcking beim Frühstück saß, haben wir uns sehr nett unterhalten. Über die Mosel-Camino, den Camino Frances, warum ich pilgere, warum man überhaupt pilgert, wie sie dazu kam, eine Herberge zu eröffnen. Über Gott und die Welt. Hatte wenig Lust, heute los zu laufen.

Irgendwann kam Thomas herein. Er war in einer Pension unten an der Mosel und wollte sich die Alte Lateinschule auch Mal anschauen, da er davon gelesen hatte. Ich glaube, er hat sich ein bisschen geärgert, weil er nicht hier genächtigt hat.

So schön, nett und gemütlich es auch war, wollte dann doch auch los, nachdem es schon fast 9 Uhr waren. Für die fast schon legendäre Fotowand von Frau Böcking dürfte ich vor meinem Abmarsch natürlich auch noch posieren. Wenn ihr also irgendwann Mal in der Alten Lateinschule seid und auf einem Bild einen großen, breiten Typen mit Bart und Hut in einem knallorangenen Shirt seht, das bin ich.

Über den Berg bis nach Bernkastel-Kues war für mich heute schon so semi-toll. Als ich dann endlich in Bernkastel angekommen bin, war ich es fast leid. Von der guten Laune, die ich noch beim Frühstück hatte, war nichts mehr übrig. Der Wind ist heute extrem unangenehm, es ist bedeckt und diesig. Ich hatte nicht wirklich Lust, mir die wohl schöne Stadt anzuschauen – oder vielmehr den Stadtteil Bernkastel. Kues auf der anderen Moselseite fand ich nicht wirklich spannend.

Im Grunde bin ich heute den ganzen Tag in stumpfem Brüten vor mich hin getrottet. In Osann-Monzel hatte ich dann die Wahl – entweder dem offiziellen Camino bis nach Klausen folgen und noch einmal über einen Berg tapern oder ein bisschen mehr Wegstrecke gegen weniger Höhenmeter tauschen und außen rum laufen. Da sich meine Lust in Grenzen hielt, habe ich mich gegen den Berg entschieden. Die Strecke war auch ok, obwohl man die Straße immer in Hörweite hatte und es über einen asphaltierten Weg ging.

Heute übernachte ich in der zweiten Pilgerherberge am Mosel-Camino. Schön gelegen direkt neben der Kirche und über dem Dorfladen. Schade dass es in der Herberge selber keine Möglichkeit gibt sich, etwas zu kochen, denn im Dorfladen bekäme man eigentlich alles, was man dafür braucht. Aber auch so werde ich dem Laden gleich einen Besuch abstatten und mir einen großen Kaffee und ein Stück Käsekuchen genehmigen. Aber bevor es dazu kommt, komme ich mir ein bisschen verschaukelt vor (eventuelle Übertreibungen sind rein zufällig):
Mein Bett steht in Raum 5. Zu den Schlafräumen geht es zunächst die Treppe hoch. So weit, so Camino-Standard. Im Ersten Stock gibt es Zimmer 1 und 6-9. Ich werde skeptisch. Ein schön gemalter Hinweis mit Jakobsmuschel weist für Zimmer 2-5 in den 2. Stock. Ich bin am Rande des Nervenzusammenbruchs, schleppe ich mich aber tapfer noch eine Etage hoch. Oben angekommen gibt es die Zimmer 3 und 4 und den Raum „Trier“. Um die Ecke prangt, wieder mit einer hübschen Jakobsmuschel umrandet, der Hinweis, dass es zu Raum 5 noch einmal die Treppe noch geht. Ich verfalle in stumpfen Hospitalismus und gebe unartikulierte Laute von mir. Auf allen Vieren kriechend, ziehe ich meinen Rucksack hinter mir die Stufen hoch. Vielleicht hätte ich die Tür zum Raum „Trier“ nehmen sollen, dann bräuchte ich die nächsten Tage gar nicht mehr laufen sondern wäre schon da…

Thomas ist diese Nacht auch hier in der Herberge abgestiegen. Irgendwie werde ich nicht warm mit ihm. Wir haben nicht wirklich Gesprächsthemen und ich bin nicht versucht, mich ihm aufzudrängen.

Da meine Sachen alle sehr dringend gewaschen werden mussten, habe ich eine der Duschen, die laut einem Zettel an der Türe nicht benutzt werden soll, im Anschluss zum Trockenraum für meine Klamotten umfunktioniert. Ausgewrungen sind sie sowieso schon, so gut wie es ging und die Wärme durch die voll aufgedreht Heizung sollte bis morgen früh den Rest erledigen.

Ich muss noch fragen, ab wann beziehungsweise bis wann es Frühstück gib bzw. bis wann ich mein Bett räumen muss. Morgen kommt Andrea in Klausen an, eine langjährige Freundin und Mutter meines Patenkindes. Sie möchte bis Trier mit mir gemeinsam den Rest des Camino pilgern. Andrea kommt morgen früh aber erst gegen 9:30 Uhr hier an. Das heißt, ich könnte unter Umständen ein wenig länger schlafen und später, aber dafür um so entspannter frühstücken.

2 Gedanken zu “Mosel-Camino Tag 5 – Trara hinter Tra-Tra

  1. Hallo Stefan,
    Ich finde es schön, wie authentisch du schreibst, dass du z.B. bewusst einen anderen, einfacheren Weg wählst und dich irgendwann nur noch vorwärts schleppst. Viele Wanderberichte blenden das nämlich aus. Oder geht es anderen tatsächlich nicht so? Also, ich kann von mir aus sagen, dass ich viele Parallelen in unserem Wanderverhalten wahrnehme 😀.
    Das „Liken“ deiner Beiträge hole ich beizeiten nach. Mein Tablet, auf dem ich in der Regel lese, lässt es seit kurzem nicht mehr zu und hängt sich immer in der WordPress-Seite auf
    Gruß, Aurora

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    1. Vielen lieben Dank für das Kompliment! 🤗

      Ich versuche, ganz einfach ehrlich zu sein. Es ist halt nicht immer alles eitel Sonnenschein – egal, ob das an einem selbst oder dem Weg oder dem Wetter oder egal was liegt.

      Ja, die WordPress-App ist zumindest für Android grausig, läuft ach bei mir nicht richtig. Aber ich tippe eh‘ lieber an einer richtigen Tastatur am PC. Da bin ich oldschool 😅

      Gefällt 1 Person

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