Mosel-Camino Tag 6 – Frustfaktor 1000

13.04.2019 – Klausen – Schweich (18 km / 28 km)

Ich muss gestehen, heute früh stand ich ganz kurz davor, alles zusammen zu packen und nach Hause zu fahren. Schon gestern Abend hat Andrea sich gemeldet und gesagt, dass es ihr nicht besonders gut geht, sie aber auf jeden Fall versuchen möchte das Wochenende mit mir den restlichen Camino zu laufen. Kurz nach dem Aufwachen habe ich dann eine WhatsApp auf meinem Handy gesehen, in der Andrea dann komplett abgesagt hat. Ich bin in keinster Weise böse, denn erstens weiß ich, dass sie gesundheitlich in letzter Zeit ohnehin eher ”fragil” ist und zweitens machen lange Wanderungen schon keinen Spaß, selbst wenn man nur leicht angeschlagen ist. Krank ist halt krank. Trotzdem bin ich irgendwie enttäuscht, weil ich mich auf das Wochenende mit ihr wirklich gefreut habe. Dementsprechend habe ich ziemlich unmotiviert beim Frühstück gesessen, dass ich eigentlich nur in mich hinein gezwängt habe, um den Abmarsch noch ein bisschen heraus zu zögern. Den ganzen Weg über ging mir dann nur durch den Kopf, wie wenig Lust ich überhaupt habe, heute zu laufen und dass ich mich verdammt noch mal wenigsten 5 Minuten unterhalten möchte. Einsamkeit hin oder her, aber irgendwann ist dann auch gut. Dazu kam dann noch, dass der Camino bis nach Klüsserath nicht unbedingt spannend ist, dass mein rechtes Knie sich sehr heftig meldet, und dass es irgendwann auch noch angefangen hat zu schneien. Bin zwar noch ein Stück weiter gelaufen, bis nach Ensch (Ist hier jemand der Ensch heißt?), das an einer Wegalternative des Camino liegt, über die der Weg zum Zitronenkrämerkreuz nicht so beschwerlich ist. Aber mir war kalt, die Motivation wurde nicht besser, dafür aber das Wetter umso schlechter. Ich wollte aber doch nicht ganz aufgeben, aber ich habe doch zumindest für heute die Etappe dort beendet und bin mit dem Taxi nach Schweich gefahren. Dass ich dort noch nicht einmal einen Pilgerstempel bekommen habe, weil sowohl die Touristeninformation als auch das Pfarramt samstags beziehungsweise natürlich auch morgen zum Sonntag geschlossen haben (also auch da kein Stempel…), war dann die Krönung des Tages. Ich bin ziemlich missmutig zu meiner Unterkunft über einem Weinlokal gestapft und habe mich dort einfach nur ins Bett gelegt. Heute will ich niemanden mehr hören oder sehen. Als Abendessen dienen die Brote, die ich mir für unterwegs eingepackt hatte und der Fernseher lullt mich in den Schlaf.

Ich will morgen auf jeden Fall bis nach Trier laufen. Dass ich einen Teil des Mosel-Camino nicht zu Fuß zurück gelegt habe ist das eine, aber komplett abzubrechen wäre etwas völlig anderes. Begeisterung kann ich zwar nach wie vor nicht aufbringen, aber das bin ich mir selbst schuldig. Ganz abgesehen davon, habe ich meine Eltern animiert, sich morgen Trier anzuschauen, und – weil ich ja zufällig auch in der Stadt bin- mich einzusammeln und zumindest bis Koblenz mitzunehmen.

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