Kurven, Kühe, Killermücken

(Schottland-Roadtrip Teil 3)

Nachdem ich im zweiten Teil streckentechnisch gar nicht mal sooo weit gekommen bin – gab ja auf dem kurzen Stück auch viel zu sehen – geht es heute zum Abschluss quasi einmal rund um die Nord- und die Ostküste und zurück nach Edinburgh. Anschnallen bitte. Keep left!

Applecross

Vom Eilean Donan Castle, der letzten Station in Teil zwei, kommt man im Grunde auf zwei Wegen weiter Richtung Norden, das heißt bis Ullapool. Beide Strecken führen erst einmal über Single Track Roads. Der direktere Weg stößt irgendwann auf eine Hauptstraße, nach deutschen Maßstäben in etwa eine halbwegs gut ausgebaute Landstraße. Bei der landschaftlich schöneren, aber auch deutlich längeren Strecke geht es zunächst auf die Halbinsel Applecross. Hier wiederum hat man dann die Wahl: Mit dem Wohnmobil oder als „ungeübter Fahrer“ gibt es eine Straße um den zu überquerenden Berg rum. Die Variante oben drüber mit deutlich höherem Spaßfaktor und auch wunderschönen Aussichten ist die alte Passstraße „Bealach na bà“. Was ich noch gar nicht erwähnt habe: Spätestens ab Fort William sind alle Orte, Straßennamen, etc. zweisprachig, d.h. englisch/gälisch ausgeschildert. Gälisch ist eine Sprache, zu der ich (bisher) noch überhaupt keinen Zugang gefunden habe. Bealach na bà heißt übrigens „Vieh-Pass“. Die Straße hat bei meinem Besuch ihrem Namen jedenfalls alle Ehre gemacht 😅

Applecross auf Applecross (also der Ort auf der Halbinsel) besteht im Wesentlichen aus genau einer Straße. Oberhalb liegt der Campingplatz meiner Wahl. Eigentlich die perfekte Idylle, aber der Ort liegt halt am Wasser. Midgie-Territorium. Wer sie nicht kennt: Midgies sind die hier heimischen Stechmücken. Winzig, dafür in Myriaden anzutreffen. …und leider SO winzig, dass immer eine oder mehrere irgendwie den Weg ins Zelt finden. Meiner Erfahrung nach hilft hier nur die ganz schwere chemische Keule. Oder ein rauchendes Lagerfeuer (auf dem Campingplatz am Zelt natürlich verboten) oder Regen. Abends fing es zwar an zu nieseln, aber leider nicht genug, als dass sich die Midgies hätten beeindrucken lassen…

Nordküste

Am nächsten Tag ging es für mich und meine Mückenstiche weiter Richtung Norden, inklusive eines kurzen Zwischenstopps in Ullapool. Eigentlich ungeplant, durfte ich beim wahrscheinlich einzigen Outdoor-Laden im Umkreis von 75 Meilen einkehren und mir ein neues Zelt kaufen. Bei meinem – zugegeben recht günstigen – Zelt hatte sich nämlich der Reißverschluss des Außenzelts verabschiedet. Bei Regen und Wind keine gute Sache. Aber so konnte ich dann auch gleich beim Supermarkt um die Ecke meine Vorräte auffrischen. Außerdem habe ich jetzt ein vernünftiges, leichtes Zelt, das noch nicht einmal allzu teuer war.

Nächste Halt war Durness an der Nordküste. Der Ort gibt absolut nicht viel her, abgesehen von einem traumhaften Strand, an dem sich auch gleich oberhalb der Klippen campen lässt. Der Zeltaufbau war hier ein kleines Abenteuer – zum einen hatte ich das neue Zelt ja noch nie aufgebaut. Gut, sowas ist keine Raketenwissenschaft, dauert aber immer erst einmal etwas länger. Zum anderen hat es ausnahmsweise so richtig schön gestürmt und geregnet. Mein Zelt wurde auf ca. 30cm über dem Boden niedergedrückt, hielt aber Stand und dicht. Härtetest direkt bestanden! Ich habe trotzdem mein Auto später umgeparkt, so dass mein Zelt im Windschatten stand.

Fußläufig erreichbar, d.h. je nachdem, wo man zeltet bzw. parkt, findet man Smoo Cave, eine Kaverne direkt in der Steilküste, die vom kleinen Flüsschen (eher ein Bach) Allt Smoo geschaffen wurde. Es gibt hier auch einige kleinere Wege, die zum einen oder anderen schönen Aussichtspunkt führen. Auch wenn das kein Tagesprogramm ist, einen kurzen Ausflug, um sich für ein, zwei Stündchen die Beine zu vertreten, ist es allemal wert!

Inverness und Loch Ness

Vom Strand aus ging es mit dem Auto wieder Richtung Süden, nach Inverness bzw. zum Loch Ness. Wahrscheinlich tue ich dem Nordosten Schottlands Unrecht, aber die Leute, mit denen ich im Vorfeld gesprochen habe, meinten alle „das lohnt sich nicht unbedingt“. Ich lasse mich gerne eines besseren belehren, dann kommt die Gegend zusätzlich zu den Inseln wieder auf meine Liste. 🤗

Kurz vor Inverness liegt Fort George, eine Festung von 17-hundert-irgendwas. Schön auf einer Landzunge gelegen, steht es Besuchern offen. Ich brauchte ein bisschen Bewegung, hatte aber keine Lust auf Stadt, also hin! Im Moray Firth kann man, wenn man Glück hat, angeblich sogar Delphine beobachten. Gut, ich hatte kein Glück. Das Gelände wird tatsächlich noch militärisch genutzt, das „Royal Regiment of Scotland“ hat hier Quartier. Hier gibt es auch das Regimentsmuseum der „Queen’s Own Highlanders“. Veteranen betreiben die Ausstellung und geben einem haufenweise Infos. Ich hatte einen Kameraden erwischt, der mich bestimmt 10 Minuten in derbem schottischem Akzent zugequatscht hat, bevor er irgendwann fragte, ob ich ihn überhaupt verstehen würde. Aber das ist in der Regel kein Problem, einer meiner Englischlehrer in der Schule war Schotte, da bin ich einiges gewohnt. 😂

Inverness habe ich nur zum Tanken genutzt. Übrigens ist es eigentlich gar kein Problem, auch in den kleinen Dörfern in den Highlands oder an der Küste eine Tankstelle zu finden. Aber ob die dann auch offen hat, das ist die Preisfrage. Weiter ging es dann ans Loch Ness. Da hatte ich mich im Vorfeld total drauf gefreut. Ich meine hey – Loch Ness! Aber im Endeffekt sieht es da aus, wie am Rur- oder am Biggesee. Naja, wenn man zu hohe Erwartungen hat, kann man fast nur enttäuscht werden. Ganz nett, obwohl schwer touristisch, war Urquhart Castle. Die Ruine hat bestimmt jeder schon mal auf dem einen oder anderen Bild gesehen. Nessie war auch nicht da. OK, es war Sonntag, da hat sie bestimmt ihren freien Tag…

Was ich uneingeschränkt empfehlen kann, sind die Falls of Foyers am Südufer von Loch Ness gelegen. Die Wasserfälle liegen in einer kleinen Schlucht, in die man bergab über einen schmalen Trampelpfad gelangt, der schon fast durch Urwald führt. Es gibt am Weg zwar Bänke und Tische, also so unbekannt kann der Ort nicht sein, aber ich war zumindest bei meinem Besuch der einzige Tourist, überhaupt der einzige dort. Der Rückweg hoch zur Straße kann bei Regen übrigens ganz schön glitschig sein. Schweißtreibend ist er sowieso.

Dunnotar und St. Andrews

Einmal quer durch den Cairngorms National Park (einer Gegend, die es definitiv Wert ist, dort mal einen eigenen Wanderurlaub zu verbringen!) ging es nach einer Nacht am Loch Ness Kurs Südwest, grob in Richtung Aberdeen. Die alte Textilstadt habe ich aber ausgelassen, stattdessen habe ich Dunnotar Castle, einige Kilometer südlich angesteuert. Stonehaven, die kleine Küstenstadt gleich nebenan, war eigentlich mein Anlaufpunkt, von dem aus ich die Gegend zu Fuß erkunden wollte. Das Örtchen ist angeblich ganz schick. Leider hat an dem Tag das Wetter kein Einsehen gehabt, so dass ich gleich mit dem Auto zur Burgruine bzw. zum Parkplatz davor bin. Schlechtes Wetter ist mir ja weitestgehend egal, aber ein Stadtbummel bei Regen? Naja. Dann schon lieber eine Burgruine angucken. Dunnotar ist auch ein historisch aufgeladener Ort, hier wurden während der Jakobiteraufstände die schottischen Kronjuwelen versteckt. Abgesehen von den Resten der Burg ist die Gegend echt super, um sich von klarer Seeluft den Kopf durchpusten zu lassen. Der ganze Untergrund, auf dem die Burg steht bzw. eigentlich die ganze Küste besteht aus Kies, Kieseln oder wie man das geologisch korrekt nennt. Echt interessant, dass das Meer Ewigkeiten braucht, um diese eigentlich lockere Geschichte zu „zerbröseln“.

Am Nachmittag ging es dann bei wieder besserem Wetter zur letzten Station meiner Rundreise. Leider. Ich habe mich in Schottland wirklich noch mehr verliebt, als vorher sowieso schon. Jedenfalls habe ich mir noch die Ruine der St. Andrews Cathedral angeschaut. St. Andrews ist Golfern wohl ein Begriff, hier findet das soweit ich weiß, älteste, renommierteste und schwierigste Golfturnier der Welt statt. Die Kathedrale wurde jedenfalls irgendwann im 14. Jahrhundert zerstört, die Reste kann man sich heute anschauen. Es gibt zudem auch ein kleines Museum, das einiges zu der Kathedrale und der Geschichte des Ortes im Allgemeinen zu erzählen hat.

Von St. Andrews aus ging es dann auf schnellstem Weg zurück über Dundee und Perth nach Edinburgh. Den Mietwagen habe ich direkt am Flughafen abgegeben, den brauchte ich in der Stadt ja nicht mehr. In die Stadt geht es dann schnell und günstig mit der Tram. Für eine letzte Nacht hatte ich mich noch einmal in einem Hostel einquartiert und die Stadt – und abends ein oder zwei Cider in einem Pub – genossen.

Rückreise

Die Rückreise ist total unkompliziert, da gibt es nicht viel zu erwähnen. Von Deutschland aus gehen genügend Flüge von oder nach Glasgow bzw. Edinburgh. 2015 war Köln/Bonn für mich der Zielflughafen meiner Wahl. Düsseldorf, Frankfurt sind auf jeden Fall auch möglich. Wahrscheinlich auch München, Berlin, Hamburg und was weiß ich noch alles. Nach einem letzten schottischen Frühstück ging es für mich und mein Gepäck jedenfalls mit der Tram gemütlich zum Flughafen. Wie immer bei internationalen Flügen, bin ich gerne zeitig dran. Man weiß ja nie, was einen bei der Sicherheitskontrolle erwartet – und gerade Großbritannien ist ja kein Schengen-Mitglied, Pass- bzw. Persokontrolle ist also obligatorisch. Nach dem Brexit wird das alles bestimmt total super. Nicht. Es war aber alles total entspannt. Genug Zeit, um am Gate noch ein Stündchen die Füße hochzulegen, meine Fotos anzuschauen und ein bisschen was zu lesen.

Goodbye Schottland, ich komme wieder, versprochen!

4 Gedanken zu “Kurven, Kühe, Killermücken

  1. Sonja M

    Deine Bilder sind trotz bedeckten Wetters (oder gerade deswegen?) ganz großes Kino. In Kanada nennt man diese fast unsichtbaren Midgies übrigens No-See-Ums. Denen war sogar DEET egal. Witzig, dass Loch Ness bei DIr genauso einen Eindruck gemacht hat, wie bei uns. Aufgrund der Touristenscharen haben wir nur unseren <Moneyshot gemacht (Nessie inklusive…) und sind dann weiter gezogen.

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Sonja,
      ich finde, schöne Schnappschüsse lassen sich mit ein wenig Muße bei jedem Wetter schießen. Ich nehme mir für meine Bilder immer ein paar Sekunden Zeit und Versuche nicht, einfach nur auf den Auslöser zu drücken. Schwierig finde ich es aber, wenn der Himmel eine einzige graue Masse ist, da fehlen einfach die Kontraste.
      Aber auf Deinem Bild, das ist ja wohl mal ganz klar Nessie! 😉
      Liebe Grüße
      Stefan

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