Tanz auf dem Vulkan

Wanderurlaub auf La Palma

Zurück von meinem kurzen Ausflug auf den Jakobsweg, bzw. genauer gesagt die Via Mosana, widme ich mich heute der nächsten meiner Touren, über die es sich vielleicht zu berichten lohnt:
Irgendwann im Frühsommer 2017 hatte ich im TV einen Bericht über La Isla Bonita gesehen, was in diesem Fall nichts mit Madonna zu tun hat. Sie wird auch Isla Verde genannt, die grüne Insel. Nein ich bin nicht auf/in Irland, hier geht es um die Kanareninsel La Palma. Da ich zu dem Zeitpunkt noch so gar keine Ahnung hatte, wo ich vielleicht meinen nächsten Urlaub verbringen möchte, war die Entscheidung dann schnell getroffen. Ich glaube, so spontan hatte ich bis dahin noch nie einen Urlaub gebucht, jedenfalls war ich ein paar Wochen später auf dem Weg nach Spanien 😎

Wie immer fängt alles an mit der…

Anreise

Mittlerweile ist eine Reise nach La Palma kein großes Problem mehr. Bis 2011 der Flughafen ausgebaut wurde, wurde die Insel wohl nur selten vom Festland aus angeflogen, da war entweder ein Transferflug von Teneriffa oder von eben dort eine Überfahrt mit dem Schiff angesagt. Soweit ich weiß, gibt es inzwischen von Deutschland aus sogar einige Direktflüge. Ich hatte eine Verbindung über Madrid erwischt, mit gerade mal einem knappen Stündchen Aufenthalt. Vom Flughafen aus „mal eben“ in die Stadt zum Sightseeing war also leider nicht drin. Insgesamt hat die Anreise etwa sechseinhalb Stunden gedauert, für die Strecke absolut ok.

Aufgemerkt:
La Palma (Insel im Atlantik) ≠ Palma (Stadt auf Mallorca)
Wenn man auf die Insel möchte, muss man einen Flug nach Santa Cruz de La Palma buchen. Das hat den Vorteil, dass die ganzen Kegelclubs und Junggesellenabschiede in den Flieger am Gate nebenan steigen 😁

Der Flughafen Santa Cruz ist… nunja… übersichtlich. Meinem Eindruck nach aber immer noch viel zu groß für das bisschen Passagieraufkommen. Wobei das nicht repräsentativ ist, ich war ja nicht zur Hauptreisezeit dort. Trotzdem hat es erstaunlich lange gedauert, bis ich endlich mein Gepäck hatte. Was aber eigentlich sowieso egal war, denn in der Tiefgarage bei den Tresen für die Abholung der Mietwagen war ohnehin niemand. Was untersteht sich das Flugzeug auch, mitten in der Siesta zu landen und Passagiere auszuspucken!? Nach 20 Minuten tauchte dann aber doch mal jemand auf und hat die teilweise schon ziemlich erbosten (also die Deutschen…) oder eingeschlafenen (Spanier wahrscheinlich) Passagiere abgefertigt. Mir geht sowas eigentlich am Allerwertesten vorbei. Warum soll ich mich darüber aufregen? Ich habe Urlaub und auf die paar Minuten kommt es echt nicht an. Klar ist das nervig, aber meine Güte…

Jedenfalls ist das Prozedere, einen Mietwagen in Empfang zu nehmen, wahrscheinlich überall auf der Welt gleich, so also auch hier. Dementsprechend hatte ich kurze Zeit später meinen Kram in den Kofferraum und meinen Hintern auf den Fahrersitz gewuchtet und los ging es in Richtung meiner ersten Unterkunft.

Diesmal war es kein richtiger Roadtrip, dafür ist die Insel zu klein. Ich hatte mir drei verschiedene Unterkünfte ausgesucht, in denen ich jeweils 3-4 Nächte geblieben bin und habe von dort aus jeweils die Ausgangspunkte meiner Wanderungen bzw. Ausflüge angesteuert. Sicherlich ginge das auch von einem zentralen Punkt aus, aber dann kommen schon noch einige Kilometer zusammen – und ich bin schließlich nicht zum Autofahren hier. Erster „Stützpunkt“ war in La Cancajos gleich südlich der Inselhauptstadt Santa Cruz, also vielleicht gerade mal 15 Minuten vom Flughafen entfernt. Zwar bin ich in einer großen Appartementanlage mit Pool untergekommen, aber ich habe Glück – mein Zimmerchen liegt ebenerdig direkt am Meer, inklusive Terrasse!

Santa Cruz

Wenn die Hauptstadt der Insel gleich ums Eck liegt und man ohnehin seine Vorräte aufstocken will/muss, was liegt näher, als gleich als erstes dorthin zu fahren? Groß ist das Städtchen allerdings nicht, hier leben gerade mal gut 15.000 Einwohner. Dementsprechend schnell ist man natürlich mit dem Besichtigungsprogramm durch. Aber das, was es zu sehen gibt, ist ausnehmend hübsch. Ich mag diese typisch spanischen engen Gassen und die Architektur. Überall blühen Blumen und das Wetter ist einfach ein Traum, um ganz gemütlich durch die Straßen zu schlendern. Natürlich lasse ich es mir auch nicht entgehen, dem Stadtstrand einen Besuch abzustatten. Die Promenade mit ihren berühmten kanarischen Holzbalkonen ist leider derart zugeparkt, dass man davon leider nur wenig sieht.

Weiter außen ist die Stadt allerdings weniger schön. Direkt im Süden liegt der Hafen und es gibt auch die wahrscheinlich leider unvermeidbaren Betonburgen. Da ist es echt egal, wo man unterwegs ist, dieses Schicksal teilen wohl fast alle Städte…

Über den Wasserkanal bei Mazo

Für meine erste Tour hatte ich mir den Osten der Insel ausgeguckt. Hier gibt es einen abgedeckten Bewässerungskanal in Richtung Süden, über den man kilometerweit quasi ohne Höhenmeter laufen kann und dabei die ganzer Zeit einen tollen Ausblick genießen kann. Start ist in Mazo, etwa 15 Minuten mit dem Auto südlich meiner Unterkunft.

Eigentlich wollte ich einen Abstecher zum Archäologiepark Belmaco machen. Laut Info offen Mo-Sa von 10 bis 15 Uhr. Es ist Dienstag 12:30 Uhr und der Bums hat zu. Damit leider aber auch die einzige Möglichkeit, in der näheren Umgebung etwas zu Essen und – viel wichtiger – zu trinken zu bekommen. Ist aber trotzdem kein Beinbruch, denn noch habe ich ausreichend Wasser dabei, ich muss es mir für den Rückweg halt nur besser einteilen. Viel schlimmer ist aber, dass es zum Park nicht nur 500 Meter Umweg sind, sondern es dabei auch 100 Höhenmeter bergab geht. Die stiefele ich leise grummelnd wieder zurück und gleich noch ein Stückchen weiter hoch, denn ich möchte nicht den selben Weg zurück gehen. Stattdessen nehme ich bis zurück nach Mazo den Camino Real, der sich 130km lang einmal um die Insel zieht. Es hat ein paar mehr Höhenmeter, aber die sind halb so wild. Viel anstrengender ist die Hitze, die macht mir echt zu schaffen und das Wasser geht mir auch langsam aus. Gottseidank komme ich irgendwann an einer Wasserstelle vorbei. Im Grunde ein ausgewachsener, schattiger Picknickplatz, den ich ausgiebig in Anspruch nehme, indem ich mich auf eine der Bänke lege und ein Nachmittagsschläfchen halte.

Pico de la Nieve und Roque de Los Muchachos

An Tag Tag zwei sollte es hoch hinaus gehen – und zwar auf den Kraterrand der Caldera de Taburiente. Genauer gesagt, den Pico de la Nieve. HIer gibt es zum Einstieg ein gutes Stück unterhalb einen Parkplatz, von dem aus man den Anstieg starten kann. Die Straße dahin ist laut meiner Tour-Info aus dem Internet „in einem schlechten Zustand und für normale PKW kaum mehr zu bewältigen“. No Risk, no Fun – ich nehme die Piste jedenfalls in Angriff und SO schlimm ist sie nun wirklich nicht. Zwar ist es eine ungeteerte Staub- bzw. Geröllpiste und mein Mietwagen (tapferer kleiner Nissan Micra) sieht danach aus, als wäre ich die Rallye Dakar gefahren, aber ich komme heil an und stehe mitten im Paradies.

Durch einen dichten Kiefernwald geht es anfangs noch gemächlich bergan. Irgendwann wird der Weg nach oben aber echt anstrengend. Zwar sind es nur knappe 500 Höhenmeter, aber da ich irgendwann den Weg verliere, geht es für mich verflucht steil nach oben. Sowas wie ein Weg war schon kurz nach dem Parkplatz nicht mehr zu erkennen, ich muss irgendwo falsch – oder eben nicht – abgebogen sein, denn der eigentliche Weg schlängelt sich gut ausgebaut nach oben. Meinereiner kraxelt fast in Falllinie an einem Abbruchgrat entlang, der zwar mit einem… nennen wir es mal Zaun abgesichert ist, aber es ist sehr schmal und es geht über rasiermesserscharfe Lavasteine. Irgendwann stoße ich aber doch wieder auf den richtigen Weg und kämpfe mich ziemlich ausgelaugt bis nach oben.

Ich glaube, die Bilder sprechen für sich. Es ist gigantisch schön hier. Am Horizont kann man ganz locker Teneriffa, La Gomera und El Hierro sehen. Ich bin weit oberhalb der Wolken und der Himmel ist tiefblau. In weiser Voraussicht sind hier Windfänge aus Steinen aufgestapelt, ich setze mich also windgeschützt und im Schatten hin und genieße bestimmt eine Stunde lang die Aussicht. Ich bin alleine hier oben und habe das Gefühl, mir gehört die Welt.

Ich bin gut geschafft, als ich wieder am Auto ankomme. Aber der Tag ist ja erst halb um, deshalb beschließe ich, noch zum höchsten Punkt der Caldera am Roque de Los Muchachos zu fahren. Hier gibt es nicht nur eine Aussichtsplattform, sondern gleich unterhalb des Grates auch einen Teil der Europäischen Nordsternwarte inkl. des Anfang der 2000er größten Spiegelteleskops der Welt. Wenn man vorher reserviert, kann man sich das bzw. eines der Teleskope sogar anschauen, das habe ich im Vorfeld leider verpasst… Da die Spiegel und alles andere ja irgendwie hier hoch kommen musste, gibt es eine gut ausgebaute Straße bis dorthin. Das führt allerdings dazu, dass auch einige andere Touristen ihren Weg hierher finden, der Parkplatz ist gut voll. Aber die Masse verläuft sich. Ich finde es nur immer wieder erstaunlich, mit wie viel Gottvertrauen manche Leute in Turnschuhen oder Flip-Flops auf/über Felsen klettern. Bei meinem Glück hätte ich mir da schon x-mal die Haxen gebrochen…

Nachts darf man hier übrigens nicht (zumindest nicht mit Licht…) entlangfahren, da die Lichtverschmutzung so gering wie nur irgend möglich gehalten werden soll. Auf La Palma gibt es Dank dieser Regelung und der extrem sauberen und trockenen Höhenluft einen spektakulären Sternenhimmel zu bestaunen. Dazu später mehr 😉

Cubo de La Galga und Los Tilos

Zeit, die Unterkunft zu wechseln. Die kommenden drei Nächte komme ich in Barlovento im Nordosten unter, in einem wunderschön auf einem Hügel gelegenem, gemütlichem Hotel. Von dort aus ist es nur ein Katzensprung zu den Urwäldern an den Flanken der Caldera.

Die erste Wanderung hier in der Gegend führt mich in den Dschungel Cubo de La Galga. Man könnte meinen, man wäre hier nicht auf einer Insel vor der Küste Afrikas, sondern auf einer verwunschenen Pirateninsel in der Karibik oder der Südsee. Hammer! Viel mehr Natur geht wahrscheinlich nicht mehr. Dichtestes Grün, nebelverhangene Bergflanken – auch heute geht es zwar gute 500 Meter hinauf und auch wieder runter, aber beim Laufen bin ich so mit mir selbst im Reinen, dass mir das heute vollkommen wumpe ist. Hier wird einem in aller Deutlichkeit klar, woher die Insel den Beinamen „die Grüne“ hat.

Die Schlucht von Los Tilos am nächsten Tag ist mindestens genauso spektakulär. Teilweise nur wenige Meter breit geht es durch ein Bachbett, unter Wasserfällen hindurch und ab und zu über riesige Felsen immer tiefer in die Schlucht. Ich fühle mich wie ein Entdecker, es fehlt nur die Machete. Die meiste Zeit bin ich auch heute wieder alleine unterwegs, denn selbst der Sneaker-Flip-Flop-Fraktion ist die Strecke heute zu unwegsam.

Ich lasse mir Zeit und genieße jeden Schritt. Bis auf den einen, als ich nicht aufgepasst habe und bis fast zum Knie im Wasser gelandet bin. Laufen in nassen Schuhen ist eher mittel-toll. Aber es ist so warm und windig hier, dass ich mir keine Sorgen mache, die Schuhe nicht wieder rechtzeitig trocken zu bekommen. Zumal sie dichter sind, als gedacht.

Auch jetzt beim Schreiben dieses Blogbeitrags mit doch einiger Zeit Abstand, weiß ich gar nicht, was ich groß zu diesen beiden Wanderungen, nein – Erlebnissen! schreiben soll. Das muss man einfach selbst gesehen haben!

Auf dem Rückweg verfahre ich mich ein bisschen und lande auf einem Wirtschaftsweg bei gefühlt 100% Gefälle mitten durch eine Bananenplantage. Zurück geht es definitiv nicht mehr, also immer weiter runter, bis an die Küste. Durch puren Zufall lande ich direkt beim Naturschwimmbad Charco Azul. Das nenne ich mal ein Wellenbad! Mehr als nur kurz die Füße in den Atlantik stecken ist aber nicht drin. Zum einen habe ich keine Schwimmsachen dabei und zum anderen ist das Wasser überraschend kalt. Aber es entspannt total und ich lasse mir im Anschluss am Ufer sitzend noch ein Stündchen den Wind um die Nase wehen.

Drachenbäume und Petroglyphen

Heute zieht es mich in den Nordwesten. Man merkt sehr deutlich, dass der Osten die Wetterseite ist – hier ist es bei weitem nicht so grün, wie im Osten der Insel. Nichtsdestrotrotz aber trotzdem wunderschön. Es gibt hier mehr Sukkulenten und Wolfsmilch, dafür weniger Urwald. Und hier gibt es prachtvolle Drachenbäume.

Santo Domingo de Grafia ist der Startpunkt für meine erste Tour. Hier führt mich ein nur leicht abschüssig verlaufener Weg in Richtung Meer, wo mein eigentliches Ziel die Cueva del Agua ist bzw. sind, mehrere Höhlen nahe der Küste. Unterwegs gibt es immer mal wieder Petroglypen – also keine Steinmalereien, sondern eher -ritzereien – als Zeugnisse der kanarischen Ureinwohner. Aber, um es kurz zu machen: Die Strecke ist so stinklangweilig und es gibt 0 Schatten, so dass ich mich nach einer guten Stunde entscheide, kehrt zu machen. Wahrscheinlich tue ich den Höhlen und den Dörfern weiter unten Unrecht, aber wenn ich nur dran denke, dass ich die Strecke auch wieder zurücklaufen muss? Hmmm… Ich hatte mir noch eine zweite Tour ausgeguckt, die ich dank der brütend heißen Sonne und der anstehenden Höhenmeter eigentlich nicht unbedingt laufen wollte. Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt – ich habe ausreichend Wasser dabei, und wie sich herausstellt, ist meine Alternative bei Las Tricias nicht nur beeindruckend schön, sondern es gibt auch genug Möglichkeiten, sich in den Schatten zu setzen. Petroglyphen gibt es hier auch, etwa auf halber Strecke in den Buraca-Höhlen in einer Schlucht. Vorher mache ich aber noch einen kleinen Umweg, um mir die Gofiomühle anzuschauen.

Ich muss allerdings gestehen, dass ich diese Felskritzeleien entschieden zu unspektakulär finde, als dass ich sie ausgiebig bestaunen könnte. Da kommt der Kulturbanause in mir hoch. Auf dem Weg nach unten kommt man dabei an einem Prachtexemplar von Drachenbaum vorbei, groß genug, als dass dort schon eine ganze Handvoll Wanderer Schatten sucht. Ich finde locker auch noch Platz. Ein Stückchen weiter kann man sich Drachenbaumsamen kaufen, ich schlage zu und nenne 4 Samen mein eigen, von denen ich zwei verschenken möchte. Stand jetzt – also Herbst 2019 – habe ich aber von meinen verbliebenen zweien noch keinen gepflanzt, Schande auf mein Haupt.

Der Rückweg geht steil bergauf, teilweise über unregelmäßige Steinstufen. Wer mich kennt weiß, dass es für mich fast nichts schlimmeres gibt. Ich hasse es. Dazu kommt die Sonne, die gnadenlos von oben brennt. Nach dem schlimmsten Abschnitt, also oberhalb der Schlucht, steht am Weg eine große Kiefer, darunter alles weich gepolstert mit den Nadeln der schätzungsweise letzten 10 Jahre. Schatten und Sitzmöglichkeit sind eine Einladung, die ich mir nicht entgehen lasse.

Der Rest zurück zum Auto geht nach wie vor stetig bergan. Hitze und Müdigkeit sorgen dafür, dass ich mich schon unterwegs sowas von auf eine grande Cervesa, mucho frio und eine heiße Dusche freue. Vorbei an Trockensteinmauern und den (Vor-)Gärten kleiner Häuser ist der weg hier stellenweise ein wenig unschön, da manches leider sehr heruntergekommen bzw. ungepflegt ist.

Salinen und Sternenhimmel

Zeit für den nächsten, letzten Wechsel der Unterkunft. Für die letzten Tage steige ich in Puerto Naos im Westen ab, einer Touristenhochburg umgeben von Bananenplantagen. So richtig begeistert bin ich nicht, aber ich bin ja eigentlich nur zum schlafen hier.

Mein nächster Ausflug führt mich dann gleich an den südlichsten Zipfel La Palmas, zum Faro de Fuencaliente und den Salinen direkt nebenan. Die Gegend ist wirklich surreal, fast schon eine Mondlandschaft. Man merkt an jeder Ecke, dass diese Gegend beim letzten Vulkanausbruch in den 1970ern nur knapp der Katastrophe entgangen ist. Ich spaziere ein wenig und ziellos durch die Gegend und lande letztlich am Strand. Schwimmen gehe ich zwar nicht, aber in der Sonne gammeln geht zumindest für ein Stündchen immer. Vulkane sehe ich schließlich auch morgen noch zu genüge.

Der Weg zurück nach Puerto Naos führt mich oberhalb der vielen Plantagen entlang. Ich muss sagen, egal was dort wächst (zu 95% sind es Bananen), es ist nicht schön anzusehen. Aber neben dem Tourismus ist das glaube ich der einzige andere nennenswerte Wirtschaftszweig.

Ich gehe früh ins Bett, weil ich mitten in der Nacht wieder aufstehen möchte. Der Grund, weshalb ich das Stativ für meine Kamera eigentlich mitgenommen habe ist, dass ich mich an Nachtaufnahmen versuchen wollte. Ich fahre also irgendwann nach Mitternacht zum astronomischen Aussichtspunkt Montaña de Miraflores, knapp 750m hoch gelegen. Die Aussicht ist grandios, aber leider habe ich eine Nacht erwischt, in der es sich zusehends bewölkt. Die Wolken schirmen nicht nur die Sterne ab, sondern reflektieren leider auch das Licht der Ortschaften unterhalb. Ich habe allerdings keine große Lust, im dunklen einen der anderen, teilweise deutlich höher gelegenen Punkte anzusteuern, daher bleibe ich und mache das beste draus. Unter den Randbedingungen sind die Bilder sogar ganz ansehnlich, vor allem da ich ja alles andere als eine Profi-Kamera benutze. als es sich dann komplett zuzieht und ich in den Wolken stehe wird es aber schnell kalt und nass und ich sehe zu, dass ich mich in mein Bett flüchte.

Die Vulkane San Antonio und San Martin

Für meinen letzten Tag habe ich mir wieder zwei Touren ausgesucht. Wobei die erste eigentlich nur ein kurzer Rundweg zum Besucherzentrum des Vulkans San Antonio ist, in dem man einiges über Vulkanismus und die geologische Geschichte der Kanaren lernen kann, und um den Kraterrand ist. Trotz der Kürze macht die Tour Spaß und der Ausblick ist wieder herrlich.

Die zweite Tour führt mich zum Vulkan San Martin, wo ich nach einer für meinen Miet-Töff-Töff wieder abenteuerlichen Piste an einem großen Picknickplatz unterhalb parke. Es geht anfangs steil bergauf durch einen fast schon mythischen Kiefernwald. Hier lässt sich eine Besonderheit der kanarischen Kiefer (die nur hier zu Hause ist) bewundern – in der Geschichte gab es, natürlich auch aufgrund des Vulkanismus, immer viele Waldbrände. Die Kiefer hat es hier also „gelernt“, sich mit einer dicken Rinde zu schützen und ganz schnell wieder grün auszutreiben.

Ich sehe einen LKW, den jemand meterhoch mit Kiefernnadeln belädt und Frage mich, wie der damit jemals die Straße runterkommen möchte, ohne dass er die Hälfte der Ladung verliert. Aber gut, hier sind offenbar Profis am Werk.

Leider haben sich die Wolken von letzter Nacht aber gehalten, so dass ich irgendwann durch dicken Nebel stapfe und irgendwann wirklich sorge habe, den Weg zu verlieren. Dazu kommt ein eisiger, nasskalter Wind. Da die Aussicht auf eine Aussicht vom Gipfel ohnehin eher gegen null tendiert, drehe ich um und laufe stattdessen noch eine Weile durch den Wald. Es ist total friedlich hier und durch den Nebel irgendwie surreal.

Schnulzige Impressionen

Zum Abschluss meines Urlaubs, der für mich definitiv weit vorne in den Top 5 ist, setze ich mich abends noch an den Strand neben meinem Hotel. Die meisten Touris verschwinden irgendwann zum Abendessen, ich bleibe und genieße den Sonnenuntergang. Dabei sind mir glaube ich ein paar nette Bilder gelungen, die ich Euch nicht vorenthalten möchte 😊

Rückreise

Am Abend schon meinen Kram zusammengepackt, geht es nach einem späten Frühstück los. Die Strecke von Puerto Naos in Richtung Santa Cruz bzw. dem Flughafen auf führt ausnahmsweise mal nicht über die Berge. Hier gibt es eine gut ausgebaute Straße inklusive eines Tunnels von West nach Ost. Ein letztes Mal genieße ich die Aussicht, bevor mich die Röhre verschluckt und auf der anderen Seite wieder ausspuckt. Den Wagen noch schnell vollgetankt und geflucht, weil die Tankanzeige einen Strich unter „voll“ hängen bleibt, bin ich dann mehr als zeitig am Flughafen, stelle meinen Mini-möchtegern-Geländewagen in der Tiefgarage ab und werfe den Schlüssel durch das einen Spalt weit geöffnete Fenster auf den Fahrersitz. Mal was neues, hatte ich bisher so auch noch nicht. Ich bin echt froh, den Wagen abzugeben. Ich fahre gerne Auto. Ich liebe Bergstraßen, Steigungen und Serpentinen. Aber 10 Tage auf Straßen, bei denen es höchstens mal 100 Meter am Stück geradeaus geht, sind irgendwann dann doch echt anstrengend.

Im Terminal laufen vielleicht 5 Menschen umher. Drei davon schnurstracks in Richtung Check-In und bilden mit mir zusammen den Anfang der Warteschlange. …und warten dürfen wir ausgiebig, es ist nämlich niemand da. Irgendwann werde ich unruhig, weil die Abflugzeit näher rückt. Einerseits denke ich, die werden wohl schon nicht ohne ihre Passagiere abfliegen, andererseits frage ich mich, ob ich hier überhaupt richtig bin. Aber da es nur eine handvoll Schalter gibt und wir mit inzwischen vielleicht 30 Leuten die einzige Schlange bilden, wird das schon passen. eine Viertelstunde vor dem geplanten Abflug schlurft dann doch eine Mitarbeiterin von Iberia an den Schalter, kramt aber zunächst noch eine Weile rum und holt sich einen Kaffee. Ich muss diese spanisch/südländische Gelassenheit echt bewundern. Vor allem, da der Flieger letztlich mit nur fünf Minuten Verspätung abhebt.

Zwischenlandung war auch diesmal wieder in Madrid. Obwohl ich eigentlich auf der Richtigen Seite sitze, sehe ich aus der Luft von der Stadt nicht wirklich etwas und die Umsteigezeit ist auch wieder zu kurz, um sie vom Boden aus zu besuchen. Der Anschlussflug nach Frankfurt ist dann so unspektakulär, dass ich irgendwann einschlafe.

Aber eigentlich müsste ich von diesem Urlaub ja total enttäuscht sein – ich habe schließlich keinen einzigen Kanarienvogel gesehen! 😛

3 Gedanken zu “Tanz auf dem Vulkan

  1. Sonja M

    Tolle Bilder, besonders die letzten „schnulzigen“. Hätte gar nicht gedacht, dass Kanaren auch schön und menschenleer sein können. Ich war nach 1x Gran Canaria nie wieder in der Ecke, auch weil es mir zu heiß und zu voll war.
    Wenn Du etwas suchst, dass warm und wanderbar ist, kann ich übrigens Madeira empfehlen. Das Wegenetz ist klasse dort.

    Gefällt 1 Person

    1. Ich muss gestehen, dass ich auch gerne mal 5 Minuten irgendwo warte und erst dann auf den Auslöser drücke, wenn niemand mehr im Bild steht. Dadurch wirkt die Insel vielleicht ein bisschen leerer, als sie es wirklich war. Aber viel war trotzdem nicht los – abgesehen von den Orten, zu denen Pauschaltouris mit dem Bus hingefahren werden… Aber das ist nicht meine Welt, weshalb ich mich gerne ein bisschen „abseits“ bewege.

      Madeira wurde mir auch schon von einer Freundin empfohlen, steht auf meiner Liste schon recht weit oben.

      Ich habe die Bilder jetzt direkt verlinkt, die Karussell-Ansicht tut’s zwar immer noch nicht, aber wenigstens kann man sich die einzelnen Bilder jetzt auch in groß anschauen… Wie heißt es so schön? „Techniker ist informiert“…

      Liken

  2. Pingback: Das Ding mit dem Þing – Stefans Spuren

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.