Überall Wasser

(Island Roadtrip Teil 2)

Hereinspaziert, hereinspaziert! Kommen Sie rein, können sie rausschauen! Kostet nix, allenfalls ein wenig Zeit! Jetzt und hier geht es jedenfalls weiter mit meinem kleinen Reisebericht über meinen Roadtrip durch Islands Westen, Südwesten und Süden. Im ersten Teil habe ich Reykjavik und Snæfellsnes unsicher gemacht, diesmal geht es unter anderem zu Geysiren und – oh Wunder – noch mehr Wasserfallen. Wie immer viel Vergnügen beim Lesen.

Zur Einstimmung sagt jetzt jeder ganz schnell drei Mal hinter einander Eyjafjallajökull. Bitte sehr, Bühne frei. Aber ich bin ja nicht so:

[ˈɛɪjaˌfjatlaˌjœkʏtɬ] Alles klar? Nicht? Hmmm… Lautschrift hilft mir auch ungefähr fast nie weiter. Na ungefähr so halt: Ai-ja -fjah-dla-jo-kudl. Wie bei Loriot – Du dodl di! Dö dudl dö!

Wasser von oben

So schön Snæfellsnes (Gesundheit!) auch ist, will ich von der Insel ein bisschen was sehen, muss ich wohl oder übel weiter. Mein nächstes Bett steht in Selfoss. Größte Stadt in Südisland, satte 8.000 Einwohner. Leider gönnt sich das schöne Wetter eine Pause, es nieselt. Aber da mein Auto kein Cabrio ist und ich auch nicht aus Zucker bin, stört mich das erst einmal wenig.

Aber ich fahre natürlich nicht direkt nach Selfoss, zumal ich dort in einem Hotel untergekommen bin, dass ein ziemlich hässlicher Klotz ist und auch sonst leider eher in Kategorie Sammelbecken für Pauschaltouristen fällt. Naja, man kann nicht immer Glück haben. Aaaaber: Die haben da selbstgemachtes Skyr – und ich liebe das Zeug! Mittlerweile bekommt man es ja auch in diversen Varianten hierzulande in jedem Supermarkt zu kaufen. Aber das kommt geschmacklich bei weiten nicht an das Skyr ran, dass sie hier zum Frühstück serviert haben. Mjam!

Auf dem Weg nach Selfoss mache ich Zwischenstation in Þingvellir. Hier stoßen Europa und Amerika geologisch aneinander (korrekterweise entfernen sie sich ein paar Zentimeter im Jahr voneinander), hier fanden die alten Volksversammlungen statt und der Staat Island wurde hier gegründet. Inzwischen ein Nationalpark, kann man sich hier wunderbar einige Stunden die Beine vertreten.

Ich parke am großzügig ausgelegten und recht vollen Besucherzentrum, lasse alles stehen und liegen und sehe zu, dass ich aufs Klo komme. Eigentlich fällt das ja eher unter „Erlebnisse eines Rucksackreisenden“, aber wenn man wie hier stundenlang mit dem Auto unterwegs ist und zwischendurch keine Ortschaft kommt, pressiert es halt. Aber so kann ich behaupten, auf einer Toilette mit wohl einem der schönsten Ausblicke dieser Welt gewesen zu sein. Aber zurück zum Thema…

Vom Besucherzentrum aus mache ich mich erst einmal auf den Weg hinab in die Almannagjá (Allmännerschlucht), von der aus man einen wunderbaren Blick über das ganze Tal hat. Weiter führt mich der Weg bis zum/zur (?) Þjónustumiðstöð (ich geb’s auf…) und Langistígur weiter nördlich. Hier könnte man ein bisschen den Weg weiter hoch auch parken, aber warum sollte ich da mit dem Auto hinfahren, solange ich zwei gesunde Füße habe? So einige Bus-Touristen sehen das allerdings anders. Ich jedenfalls laufe durch einen vulkanischen Graben, von dem es oft heißt, das wäre die Grenze zwischen Europa und Amerika, was aber nicht stimmt, denn die liegt weiter unten im Tal. Trotzdem machen die Basaltsäulen optisch schon etwas her. Weiter oben liegt noch Schnee, sodass ein kurzer Teil der Strecke zur unfreiwilligen Rutsch- und Kletterpartie wird. Zwar haben meine Wanderschuhe eigentlich ein gutes Profil, aber auf blankem Eis sind sie dann doch leicht überfordert.

Zurück geht es die selbe Strecke lang, da die Alternativen Straße (weil Straße) oder Tal (größerer Umweg) zumindest bei dem Wetter wenig reizvoll für mich sind. Zwar tröpfelt es nur noch gelegentlich, aber es ist fies nasskalt, ich friere ein bisschen. Ich nehme aber trotzdem noch eine Abzweigung und statte dem Öxarárfoss einen Besuch ab, der hier brausend-rauschend etwa 20 Meter in die Tiefe stürzt. Dass zwei Selfie-Profis beim Posen für irgendwelche Social-Media-Plattformen zu blöde sind, aufzupassen und nicht merken, wo der Holzsteg, der den Fluss hier überbrückt, aufhört und das Wasser anfängt, versüßt mir irgendwie den Tag. Komischerweise wollen sie im pudelnassen Outfit nicht mehr fotografiert werden. Dabei wäre DAS wahrscheinlich das einige nicht gestellte Bild geworden.

Wieder zurück am und unterwegs mit dem Auto, komme ich an Skálholt vorbei, dem wohl wichtigsten und ältesten Bischofssitz Islands. Da es allerdings schon später Nachmittag ist und ich noch einige Kilometer vor mir habe, begnüge ich mich damit, mir das Ensemble von weitem aus anzuschauen. Außerdem wüsste ich gar nicht, ob hier Besichtigungen überhaupt möglich sind.

Wasser von unten

Am nächsten Tag geht es für mich zu einer DER Attraktionen Islands. So touristisch abgegrast wie nur wenige andere Orte in der Welt, aber das ist mir egal! Denn ich freue mich da schon seit ich die Reise geplant habe, wie ein Schnitzel drauf: Geysire! Keine Ahnung, ob jemand meine Begeisterung für ein bisschen sprudelndes Wasser nachvollziehen kann, aber ich wollte schon seit jeher einen sehen.

Das Wetter ist heute nicht so viel besser im Vergleich zu gestern, aber immerhin regnet es nicht. Autofahren auf Island ist total entspannt und entspannend. Kaum Verkehr, die Ringstraße und zumindest die wichtigsten Verbindungsstraßen sind gut ausgebaut und die Landschaft, die am Fenster vorbeifliegt, ist einfach nur schick.

Das Geysir-Gebiet liegt direkt an der Straße, ein kurzes Stück hinter dem Ort Bláskógabyggð (ja, das mache ich absichtlich!). Es gibt das Hotel Geysir, das Restaurant Geysir, Camping Geysir, Geysir Center und Supa Geysir. Vom eigentlichen Ort des Geschehens ist die Chose abgetrennt durch ein paar Bäume und die Straße, immerhin. Der Zaun, der das Thermalgebiet umgibt ist gespickt mit Warnhinweisen in vielen verschiedenen Sprachen. Da man ja grundlegend an der Intelligenz der Menschlichen Rasse zweifeln muss und es keine Warnung ohne eine Geschichte dahinter gibt, muss es wohl sein, anzuzeigen, dass Baden in den Geysiren und heißen Quellen verboten ist…

Der, DER, *der*, der Geysir, also der weltweite Namensgeber ist hier natürlich der King, auch wenn er einige Jahre inaktiv war und seit dem Jahr 2000 nach einem Erdbeben immerhin nur sehr unregelmäßig und nicht mehr mit alter Pracht spuckt. Ein bisschen hat das was von Opa Geysir, der grauen Eminenz, Familienoberhaupt, seit Jahren in Rente. Wird von allen geachtet und spricht nur ab und zu ein Machtwort, wenn es ihm zu bunt wird.

Dann gibt es da Strokkur, den pubertierenden Flegel. Meint alles besser zu wissen, macht einen auf dicke Hose und ranzt jeden an, der ihn doof anguckt. Dementsprechend sprudelt er zuverlässig alle 5 Minuten drauflos. Aber weil er das so regelmäßig tut, kann man in aller Ruhe eine schöne Runde durch das Gebiet drehen, ohne dass man Angst haben muss, einen Ausbruch zu verpassen.

Gut, dass ich eine halbwegs vernünftige Kamera besitze und auch mein Stativ dabei hatte. So gibt es vom großen Blubb wenigstens auch bewegte Bilder. Platzsparenderweise aber nur als animiertes GIF. Ich präsentiere: Strokkur höchstselbst und in Bestform!

Freihand geht auch, ist aber nicht so schön. Dafür spontan 😉 :

Nicht zu vergessen, ein wenig schüchtern um die Ecke spinksend: Litli Geysir, der Kleine. Der Junior der Familie – ist halt noch zu jung zum Spucken und hält sich deswegen eher bedeckt im Hintergrund. Ist sich aber durchaus bewusst, dass er ein großes Erbe trägt und heizt daher schon Mal ordentlich vor.

Die einzelnen Quellen sind alle toll anzuschauen. Teilweise schillernde Farben, wenn in den Abflüssen aufgrund der Wärme Bakterien und Algen gedeihen. Leider kommen die Farben auf meinen Fotos überhaupt nicht richtig rüber. Ihr müsst mir das jetzt einfach mal glauben. Manche Quellen sind tiefblau mit dem klarsten Wasser, das ich je gesehen habe und man hat den Eindruck, bis zum Mittelpunkt der Erde sehen zu können.

Im Grunde gibt es hier gar nicht soooo viel zu sehen. Das Gebiet ist nicht allzu groß und selbst wenn man sich Zeit lässt, hat man in einer Stunde alles soweit gesehen. Trotzdem verbringe ich den halben Vormittag hier, weil ich es absolut faszinierend finde. Vorteilhaft ist natürlich auch, dass außer ein paar Familien deren Nachwuchs sich bei jedem Ausbruch des Strokkur kaputt lacht, sonst kaum jemand da ist und ich die Zeit dort echt genießen kann.

Wasser von der Seite

Nicht weit weg von den Geysiren, im Grunde nur ein paar Kilometer die Straße weiter nach Nordosten, erreicht man den Gullfoss. Zunächst sieht man – abgesehen vom Parkplatz mit kleinem Besucherzentrum – erst einmal gar nichts, denn der prächtige Wasserlauf versteckt sich in einer Schlucht.

Es gibt eine Reihe von Wanderpfaden, die hier mit Holzbohlen gut begehbar ausgelegt und mit Seilen zum Schutz der Natur links und rechts abgesperrt sind. Unter anderem kann man so gemütlich die Hauptattraktion, also den Gullfoss, von allen Seiten bestaunen. Runter in die Schlucht geht es über einige Stufen, hier sind die Wege dann „naturbelassen“, durch die Gischt des Wasserfalls und den Regen der letzten Tage ist es eher ein Matschpfad. Ich bin wieder einmal froh, festes Schuhwerk zu tragen.

Man kommt bis ganz dicht an die Wasserfälle ran. Ich habe das große Glück und erwische einen Zeitpunkt, zu dem der Wind genau richtig steht. Also richtig im Sinne von: Ich stehe mitten in einer Gischtwolke und bin innerhalb von Sekunden klatschnass von oben bis unten. Eigentlich wollte ich da nicht hin, aber da ich eh‘ schon nass bin: Es gibt eine weitere Plattform direkt neben der ersten Stufe des Wasserfalls. Schon von oben kann man sehen, dass man dort unter Garantie nicht trockenen Fußes hin bzw. wieder weg kommt. Dort die Kamera auszupacken, habe ich mir aber gleich gespart. Ehrlich gesagt, lange aufgehalten habe ich mich dort auch nicht. Es war zwar nicht wirklich kalt, aber durch die Nässe und den Wind war es doch sehr unangenehm. Trotzdem bin ich auf dem Rückweg noch mal zurück zur ersten Plattform – der Himmel war aufgerissen und der Wind stand diesmal günstiger – der Gullfoss kann also auch schön.

Es ginge sogar noch schöner, denn immer nachmittags zeigt sich, natürlich nur bei schönem Wetter, ein Regenbogen einmal quer über den Wasserfall. Dazu hätte ich aber noch gut zwei Stunden warten müssen, bis die Sonne richtig steht. …und ich bin ja nicht hier, um optimierte Instagram-Fotos zu knipsen, den Ort finde ich auch so schon beeindruckend genug.

Zurück im Auto muss ich mich dann erst einmal trocken legen. Gut, dass ich einen Ersatz-Pulli dabei habe. Die Jacke breite ich über dem Beifahrersitz aus und drehe die Heizung für eine Weile voll auf. So bin ich eine Zeit lang in einer Sauna auf Rädern unterwegs, aber mir wird wieder warm und die Klamotten trocknen auch recht schnell.

Vom Parkplatz am Gullfoss aus starten offensichtlich auch einige der Gruppentouren ins „Hochland“. Die höhergelegten Mercedes-Sprinter mit ultra-breiten Ballonreifen sehen ja ganz witzig aus, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass die Dinger wirklich geländegängig sind…

Ausklang im Trockenen

Da der Tag noch ein bisschen Restlicht bietet und Selfoss jetzt keine Stadt ist, die man unbedingt zu Fuß erkunden müsste, fahre ich noch nach Süden weiter, bis an die Küste. Ich parke irgendwo neben einer alten Fischfabrik in einem Ort, an dessen Namen ich mich nicht mehr erinnern kann.

Hier führt ein Weg eine Zeit lang direkt an der Uferlinie entlang. Ich höre nichts anderes, als den Wind, das Brausen des Atlantik und ab und zu einen Vogel schreien. Es ist total einsam. Für einen Tag zu Besuch zu sein und für eine Weile der Welt den Stinkefinger zeigen, dafür ist es echt toll. Aber hier zu leben? Hier möchte ich echt nicht tot über’m Gartenzaun hängen.

Nicht weit von hier sind die Vestmannaeyjar (Westmännerinseln). Dorthin gibt es mehrmals am Tag Fährverbindungen. Zwar soll es dort sehr schön sein, das Highlight sind aber wohl die Papageientaucher-Kolonien. Landschaft habe ich auch hier auf dem „Festland“ genug und die Vögelchen sind um diese Jahreszeit ohnehin noch nicht wieder aus ihrem Winterquartier zurück. Also entscheide ich mich dagegen und will viel lieber nach Osten tuckern und weiter die Südküste Islands erkunden.


Aber darüber berichte ich beim nächsten Mal. Um es mit dem unvergessenen Peter Lustig zu halten: Abschalten!

3 Gedanken zu “Überall Wasser

    1. Bisschen Wasser hat noch niemanden geschadet. Vielleicht wachse ich ja noch?! (ok, besser nicht)

      Dieses türkis, dass man sieht, kurz bevor der Geysir richtig ausbricht finde ich total schön. Hätte ich mir noch stundenlang anschauen können. Auch wenn der große Geysir mir ja wohl mal ruhig den Gefallen hätte tun können, sich auch zu rühren. Aber naja, dann muss ich wohl nochmal da hin.

      Morgen geht die Reise weiter, es wird sogar noch einen 4. Teil geben – ist einfach zu viel und viel zu schön.

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  1. Pingback: Der Boden ist Lava! – Stefans Spuren

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