Megamarsch?

Für die Füße in jedem Fall, aber ist das jetzt gut oder schlecht?

Ein Bekannter hat mich gestern gefragt, ob nicht ein Megamarsch etwas für mich wäre. „Du wanderst doch so gerne!“ Ja, tue ich. Oft. Oft auch gerne. Wenn ich Lust und Laune habe, auch gerne 30 Kilometer plus. In vielen Fällen mit Gepäck auf den Schultern. Aber von was reden wir denn hier bitteschön?

Zeitdruck? Wozu?

50km in 12 Stunden oder 100km in 24 Stunden – das hat nicht mehr viel mit Wandern zu tun, finde ich. Es ist genau das, was der Name schon aussagt: ein Marsch. Nicht, dass ich mir zumindest die „kurze“ Strecke nicht zutrauen würde. Aber möchte ich mir das antun? Möchte ich mit hunderten anderer Leute eine in vielen Fällen eher unspektakuläre Strecke gehen? Vor allem in vorgegebener Zeit? Sicher, es findet sich bestimmt jemand, der im selben Tempo unterwegs ist und mit dem man sich dann auch ein bisschen unterhalten kann. Aber die Zeitvorgabe schreckt mich doch eher ab – das Schönste am Wandern ist doch, dass man im Grunde eben *keine* Zeitvorgabe hat. Zwar wären die nötigen knapp 4,2 Kilometer pro Stunde für mich eher ein gemütliches Tempo. Aber bei jeder Verpflegungsstation auf die Uhr schauen, wie lange man jetzt ausruhen darf, bevor man wieder weiter „muss“? Überhaupt – Verpflegungsstationen? Das widerspricht ein wenig dem „Hier ist’s schön, hier bleibe ich!“, dass ich normalerweise pflege.

Man bekommt für gewöhnlich eine Medaille und eine Urkunde, wenn man es ins Ziel geschafft hat. Vielleicht gibt’s noch ein T-Shirt, keine Ahnung. Das ist ja alles gut und schön. Natürlich werden diese Events wohl auch gut organisiert sein. Die Verpflegung gibt es auch nicht geschenkt. Aber für so einen Marsch bezahlen? Für eine Urkunde, die bei mir sowieso ganz hinten in der Schublade landet? Wenn ich dieselbe Strecke an einem anderen Tag für lau, ohne Zeitdruck und mit Pausen, wann, wo und wie lange ich will auch laufen kann?

Da fällt mir ein schlechter Witz ein:
„Kennst Du das, wenn Du beim Marathon irgendwann so voller Glückshormone bist und einfach nur noch weiterlaufen möchtest? Nein? Ich auch nicht…“

Nachts mit Stirnlampe und/oder Taschenlampe laufen, finde ich auch irgendwie merkwürdig.

Ich bin skeptisch

Für den Fall, dass ich das bisher noch nicht so rübergebracht habe: Ich weiß nicht, ob das etwas für mich ist. Ich weiß nicht, ob ich mit das antun möchte. Aber ich lasse mich gerne überzeugen.

Mich würde wirklich interessieren, was das Besondere an diesen Megamärschen ist, dass so viele Leute dort mitmachen. Ist es der „Stolz“ es geschafft zu haben? Hängen in Deutschland tausende dieser Urkunden prominent an Wohnzimmerwänden?

Bei einem Marathon läuft man gegen die Zeit und versucht sich immer wieder, selbst zu unterbieten. Aber hier? Es gibt doch (soweit ich weiß) keine Zeitnahme? Ob ich jetzt die 100km in 20 Stunden jogge (gut, also *ich* eher nicht) oder nach 23 Stunden, 59 Minuten und 59 Sekunden ins Ziel taumele, ist doch total unerheblich?

Da könnte ich mir eher eine Teilnahme am Nijmegenmarsch vorstellen, da gibt’s am Ende wenigstens einen schicken, sogar offiziellen, Orden, das Viertageskreuz

Vielleicht übersehe ich ja irgendwas? Vielleicht gibt es ja diesen einen „WOW“-Effekt, der mir jetzt total entgeht?

Ich würde mich ja sogar auf ein Experiment einlassen, aber definitiv nicht alleine. Da muss sich schon mindestens eine(r) finden, der/die sich den „Spaß“ mit antut…

Was meint ihr dazu? Habt Ihr Erfahrungen mit so einem Megamarsch?

5 Gedanken zu “Megamarsch?

  1. Stefan, du sprichst mir aus der Seele. Die Märsche haben für mich auch extrem wenig Anziehungskraft. Ich bin mal 37 Kilometer gelaufen, weil es sich an dem Tag gut anfühlte. Dass sich 100 gut anfühlen könnten, wage ich zu bezweifeln. Das muss für den Körper doch die reinste Tortur sein. Insofern sollen die Megaisten gern Kilometer machen. Das beeindruckt mich definitiv. Für mich ist es aber wohl nichts 🙂
    LG
    Audrey

    1. Hallo Audrey,
      ich habe ein wenig gestöbert – und das bisschen, was ich an Berichten von Teilnehmern gefunden habe, liest sich im Grunde immer wieder gleich:
      Abbrechen ja/nein, extreme Blasen bzw. Schmerzen in Füßen und Beinen, Kreislaufprobleme, langweilige Strecken, hetzen von einer Station zur nächsten.
      Danke, aber nein Danke.

      Morgen „wandere“ ich zwar auch eine vorgegebene Strecke und mit vorgegebenem Tempo, aber ich muss dabei nur dem Vorratswagen hinterher laufen. Ich ziehe nämlich mit dem Rosenmontagszug durch Aachen. Kamelle! 🥳

      Viele Grüße, Alaaf
      Stefan

  2. Eine Bekannte von mir hat so ein Event mal mitgemacht. Nach 50 Kilometern am Ziel war die mächtig stolz, konnte danach aber drei Tage nicht laufen. Ich halte solche Märsche für ungesund und nicht sinnvoll. Viel gesünder und sportlicher ist es, mehrere Tage oder gar Wochen durchzuhalten, auch wenn es „nur“ 25 Kilometer pro Tag sind.
    Wenn ich sowas mal ausprobieren wollte, würde ich dies in schöner Natur und auf weichen Waldpfaden machen. Und nur für mich! 😜

    1. Ganz meine Meinung. Über mehrere Tage hinweg immer 5-6 Stunden zu laufen, fordert mindestens genauso und am Ende ist man auch stolz, es geschafft zu haben.

      25 Kilometer am Tag sind ja sowieso schon ein Wort. Da soll die Strecke wenigstens schön sein. Und das Ganze soll ja nach wie vor Spaß machen.

      Viele Grüße
      Stefan

  3. Sonja M

    Bei mir gibt es auf der Arbeit schon genug Stress mit Zielerreichung innerhalb vorgegebener Deadlines. Na gut, ich kenne auch ein paar von denen, die unbedingt aus einem Spaziergang einen Wettbewerb machen möchten. Das können sie auch gerne machen, aber für mich gibt es diesen Leistungsanspruch beim Wandern nicht, da habe ich alle Zeit der Welt und setze mir mal keine Ziele. 😉 Grüße aus dem Schwarzwald, SonjaM

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