Mullerthal Trail Route 2, Teil 1 – Eng und enger

14. April 2021 – Berdorf bis Hersberg (ca. 15 km)

Heute früh bin ich hart am Trödeln. Zuerst komme ich überhaupt nicht in die Gänge, dann beeile ich mich beim Frühstück auch nicht wirklich. Da ich gestern nicht mehr nach dem Busfahrplan für heute Morgen geschaut habe, hole ich das nach, während ich mein Brötchen mampfe – und merke, dass ich mich jetzt auch nicht mehr wirklich beeilen muss. Denn den nächsten Bus, der mich nach Berdorf bringen würde, erreiche ich in keinem Fall mehr. Auch gut, dann halt eine Stunde später und zuerst in Ruhe fertig frühstücken. Ich habe quasi eine Stunde Zeit „gewonnen“.

Auch wenn ich heute mit dem Rad zum Busbahnhof fahre, dauert gerade Mal 5 Minuten, ändert es leider nichts daran, dass ich erst um kurz vor zehn endlich aus dem Bus aussteigen und meinen Wandertag beginnen kann. Eigentlich ist mir das mindestens eine Stunde zu spät, aber ich kann ja schlecht aus Trotz den ganzen Tag zu Hause bleiben 😄

Aber mit etwa 15 Kilometern steht heute ja sowieso die kürzeste Etappe des Mullerthal Trail an. Da sollte das hoffentlich kein Problem sein. Außerdem ist es zwar kalt, diese Nacht hat es ordentlich gefroren, aber der Himmel ist wolkenlos. Es wird also wieder prima Wanderwetter und der Untergrund sollte jetzt zwei Tage nach den Wolkenbrüchen auch mitten im Wald deutlich besser begehbar sein. So zumindest die Theorie.

Eingegraben

Theorie gut und schön. Was ich allerdings nicht berücksichtigt habe ist, dass ich alle 50 Meter stehen bleibe, um ein Foto zu schießen. Menschenskinder, ist das schön hier!

Von der Bushaltestelle in Berdorf – übrigens mit angrenzendem Café bzw. Restaurant, das merke ich mir für morgen schon Mal vor! – geht es ziemlich zügig aus dem kleinen Ort hinaus und man steht unvermittelt am Rande der Zivilisation. Über ein paar Stufen geht es gleich runter ins Roitzbachtal. Und ich bin gleich geflasht!

Das Tal wird mit jedem Schritt schmaler. Genauso werden die Felsen um einen herum mit jedem Schritt höher – wobei das im Grunde falsch ist, das Tal ist „nur“ tiefer eingeschnitten, Eindruck macht es in jedem Fall.

Der kleine Roitzbach hat sich stellenweise wirklich ordentlich tief eingegraben und braucht zwischendurch auch in der Breite einiges an Platz. Daher geht es über verschiedene Holzstege und ein gewieftes System von Hängebrücken nicht nur am Flüsschen entlang, sondern auch von links nach rechts oder halt einfach obendrüber.

Ich komme in die Hölle

Ich möchte wetten, dass das hier ein Paradies für kleine und bestimmt auch größere Kinder ist, denn die können hier in den Schluchten, Spalten und Höhlen den Entdecker in sich wecken. Für meinen Teil habe ich irgendwie die Erwartung, dass ich hinter der nächsten Ecke einen Dinosaurier treffe, so ursprünglich ist es hier.

Die verschiedenen Felsformationen tragen so klangvolle Namen wie Adlerhorst, Räuberhöhle, oder Teufelsinsel. Will man ein paar zusätzliche Treppen steigen und durch dunkle Gänge tasten, kann man sich hier nach Herzenslust austoben und auch von oben die Aussicht genießen. Taschenlampe nicht vergessen! Ich muss gestehen, das habe ich mir gespart, denn mit Rucksack ist das nur bedingt zu empfehlen und ich genieße die Landschaft auch so. Ja, gut, ein bisschen faul bin ich natürlich auch.

Zwischendurch geht es durch die enge Roitzbachschlüff, bevor der Trail einen an das Tor zur Hölle führt. Das ist jetzt nichts, vor dem man Angst haben müsste, es ist „nur“ eine begehbare Spalte, die etwa 50m in den Fels hinein führt. Mit Taschenlampe und Kopf einziehen kann man sich in der Hölle auch umschauen und anschließend behaupten, man habe es in die Hölle und zurück geschafft. 😎 Ein nettes Video dazu gibt es hier. Da es eine Sackgasse ist, führt der Trail natürlich nicht hinein, also an der Stelle kein Grund zur Sorge für Klaustrophobiker.

Ab ins Müllerthal

Die engen Schluchten begleiten einen aber quasi auf Schritt und Tritt, es gibt – unter anderem – die Binzeltschlüff und die Werummschlüff. Aber alles sind immerhin so breit, dass ich keine Befürchtungen habe, stecken zu bleiben und sie sind hoch genug, als dass ich mit meinen über 1,90m auch nicht den Kopf einziehen muss. Der Rucksack darf auch auf dem Rücken bleiben.

Direkt an der Nationalstraße, die man irgendwann überqueren muss, findet sich noch der Priedegtstull, also der Predigtstuhl bzw. die Kanzel. Woher der Felsen inklusive Aussichtsterrasse seinen Namen hat, sollte unschwer anhand des Bildes unten zu erkennen sein.

Nicht viel später haben das Auf und Ab und die wirklich vielen Stufen dann vorerst ein Ende. Gleichzeitig wird das Tal deutlich weitläufiger und bis hinunter ins Örtchen Müllerthal ist es um einiges weniger rustikal – aber dadurch nicht weniger schön. Der Wald hier ist wahrscheinlich noch nie bewirtschaftet worden und das sieht man ihm auch an.

Kein Mittagstisch für mich

Aus dem Wald raus geht es für ein kurzes Stück über eine Wiese, quert eine Brücke und steht dann in Müllerthal. Der Ort besteht im Wesentlichen aus einem 4-⭐-Hotel, einem Campingplatz und der Heringer Millen, einer alten Mühle, inkl. angegliedertem Restaurant und Touristeninformation.

Hier in Müllerthal ist für die heutige Etappe Halbzeit und was die Uhrzeit angeht, ist es ein prima Zeitpunkt für ein Mittagessen. Der Blick auf die Speisekarte des Hotels zeigt mir, dass ich mir den Vier-Sterne-Luxus nicht unbedingt leisten möchte. Also versuche ich mein Glück bei der Heringer Millen.

Natürlich muss man eine Maske tragen, sofern man nicht isst oder trinkt. Natürlich wird aktuell nur die Terrasse betrieben. Alles kein Thema. Draußen sitzen an drei oder vier Tischen Leute, der überwiegende Teil der Tische ist allerdings frei. Am Rand der Terrasse steht ein Schild, dass man sich bitte nicht direkt setzen möge, sondern warten soll, bis einer der KellnerInnen einen Platz zuweist. So weit, so gut.

Ich stelle mich also neben die Tür zum Restaurant und warte. Und warte. Und warte. Drinnen quatschen zwei Kellner miteinander. Irgendwann schaut einer der beiden zu mir rüber, setzt einen recht gequälten Gesichtsausdruck auf und fragt mich auf Französisch, ob ich reserviert hätte. Ich muss verneinen und bekomme ziemlich patzig die Antwort, dass leider alles reserviert sei. Das wage ich anhand der vielen freien Tische, davon nur ein oder zwei mit „Réservation“-Schildchen und eine ganze Reihe nichtmal eingedeckt, zu bezweifeln. Ich grabe mein extrem rudimentäres Französisch aus und versuche, ihm klar zu machen, dass ich auch mit einem Kaffee zufrieden wäre und mich dafür auch gerne mit meiner Tasse auf die Mauer oder die Wiese setzen könnte. Nein, es täte ihm ja sooo leid, aber da sei nichts zu machen.

Ich setze mein schönstes „Du mich auch!“-Lächeln auf, zische ein „Au revoir!“ und drehe mich um. Jetzt habe ich echt Wut im Bauch. Musste das jetzt sein? Der Tag war bis hierher doch so schön!

Aber gut, hilft ja nichts, ich mache mich also drauf und dran weiterzustiefeln, als ich hinter der Mühle auf einer Wiese ein paar Picknicktische stehen sehe. Die nehme ich! Dann halt Mittagessen ohne Kaffee, geht gezwungenermaßen ja auch. In der Sonne ist es so schön, dass ich mir sogar die Jacke ausziehe. Aber da ich mir nicht den Tod holen möchte, ziehe ich sie schnell wieder an und ziehe sogar meine Handschuhe über. Denn wenn man sich nicht bewegt, wird es schnell kalt.

Die Schwarze Ernz!

Ab Müllerthal geht es ein Stück weit an der Schwarzen Ernz entlang. Ich finde ja, der Name dieses Flusses klingt ein bisschen wie aus einem Fantasy-Roman: „Wohlan! So bringet Eure Frauen und Kinder in Sicherheit und rüstet Euch zum Kampfe, denn die Schwarze Ernz wird kommen, sich zu holen was ihr beliebt!“ Vor allem, da es ebenfalls die Weiße Ernz gibt, da geht es bei Route 3 des Trails entlang. Das hat dann schon was von Mittelerde oder Westeros mit einem epischem Kampf zwischen Weiß und Schwarz, Gut und Böse.

Aber zurück in die Realität, denn Gefahr durch böse Hexen oder Monster ist hier jedenfalls nicht zu erwarten. Im Gegenteil, plätschert das Wasser eher gemütlich vor sich hin, auch wenn es sich immer wieder zwischen Felsbrocken durchquetschen muss.

Auch wenn der Trail dem Wasser folgt, nimmt man hier Mal wieder ein paar extra-Höhenmeter mit, denn von meinem Picknickplatz gleich neben der Schwarzen Ernz geht es mit einem Schlenker erst einige Meter an der Flanke des nächsten Hügels hoch. Kurz vor der Stelle, an der sich der Fluss über Luxemburgs höchsten Wasserfall, dem Schiessentümpel (luxemburgisch vielleicht etwas missverständlich: Schéissendëmpel), über eine Klippe stürzt, geht es wieder runter. Die Fallhöhe des Wassers beträgt übrigens spektakuläre (und von mir geschätzte) zwei Meter! Interessant und sehenswert macht den Ort aber die kleine Brücke, die hier steht. Als Fotomotiv macht das Ensemble echt was her. Auch wenn es später im Jahr vermutlich noch spektakulärer wäre, wenn die Brücke und die Felsen links und rechts daneben kräftig grün mir Farnen und Moosen bewachsen sind. Man muss auch ausblenden, dass direkt an der hohen Böschungsmauer eine Straße verläuft. Das Rauschen des Wassers übertönt aber den Lärm der (wenigen) vorbeifahrenden Autos.

Neben der Brücke kommt man über Stufen bis runter ans Wasser. An heißen Tagen perfekt, um hier die Füße ins kalte Nass zu stecken, aber heute auf jeden Fall (mir zumindest) ZU kalt. Das hindert eine Handvoll Kiddies aber nicht daran, im und am Wasser zu spielen.

An der Stelle ist der Trail ein wenig missverständlich ausgeschildert. Denn zwischen Müllerthal und dem Schiessentümpel verlaufen Route 2 und 3 parallel (ich komme hier also noch Mal dran vorbei). Ausgeschildert ist hier allerdings nur Route 3. Der Maßstab der Karte im Wanderführer ist hierfür zu groß, aber ich habe ja die GPS-Daten auf meinem Handy. Es kann also nur über die Straße und dann links weitergehen. Genauer gesagt: links hoch. Der Anstieg ist nicht von schlechten Eltern und ich krieche den Berg nach oben. Da angekommen muss ich erst Mal kräftig durchpusten und wieder zu Atem kommen. Immerhin steht hier ein Wegweiser, der mir anzeigt, korrekterweise auf Route 2 zu sein.

Die nächste Schlucht, genannt Eulenburg ist noch vergleichsweise harmlos. Da die Felsspalte aber im Zickzack verläuft, sieht man weder Ein- noch Ausgang. Nur beim Blick nach oben sieht man etwas anderes, als Felsen. Was danach folgt, wird dann sehr abenteuerlich.

Schmierseife anyone?

Erst passiert man Goldfralay und Goldkaul. Bei ersterem gibt die Gelegenheit, einem Hinweis zum „Belle Vue“ zu folgen. Für meinen Teil beschließe ich jedoch, dass die Vue gar nicht so Belle sein kann, denn mir hat es auch so schon mehr als genug Treppen hier und der Weg zur Aussicht ist sehr schmal und sehr steil und sehr stufig.

Für ein kurzes Stück folgt man dann im Anschluss tatsächlich Mal einem schönen, breiten und fast ebenen Waldweg, bevor es dann so richtig zur Sache geht.

Als nächstes steht nämlich der Rittergang an. Keine Ahnung, woher die Spalte ihren Namen hat, aber ein Ritter, so wie ich ihn mir vorstelle, also mit Rüstung, Helm und Lanze, ist hier garantiert nicht durchgegangen. Es sei denn, er wäre ein Strich in der Landschaft und maximal 1,50m groß. Ich scheitere schon ohne Rüstung im ersten Anlauf, denn mein Rucksack schabt nicht nur links und rechts ordentlich an den zum Glück recht glatten Felsen, irgendwann geht es dann auf die Weise gar nicht weiter. Also gehe ich ein Stück zurück, nehme den Rucksack von den Schultern und bugsiere ihn mit ein wenig links und rechts schwenken durch die Spalte. Ich zwänge mich hinterher und muss mich stellenweise seitwärts durchquetschen, sonst passen die Schultern nicht. Einen Eindruck davon bekommt man hier (ab 4:35min)

Wenigstens braucht es im Rittergang keine Taschenlampe, zumindest nicht jetzt am helllichten Tag und bei Sonnenschein. Das sieht im Deiwepëtz (bzw. Déwenpëtz) dann schon ganz anders aus. Denn dieser Durchgang im Fels ist nach oben hin komplett geschlossen, d.h es ist drinnen dunkel wie im Bärenpopo. Aller spätestens hier merkt man, ob man an Klaustrophobie leidet. Denn es ist nicht nur dunkel, es ist auch extrem eng. Dazu kommt, dass die Spalte (zum Glück noch im Bereich, wo ein wenig Licht hin scheint) unvermittelt einen 90°-Knick nach rechts macht und sich genau im Bereich dieses Knicks zusätzlich durch einen Vorsprung auf etwa 1,60m Höhe reduziert. Auch hier haben tapfere Höhlenforscher ihre Eindrücke im bewegten Bild geteilt (mein Schicksalsknick etwa ab 2:09min). Auf dem Kanal gibt es übrigens noch einige andere Videos über den Mullerthal Trail.

Also nehme ich den Rucksack auch hier wieder ab. Ich glaube, dass selbst kleine Hungerhaken mit Mini-Tagesrucksack nicht gemeinsam hier durch passen. Damit passe ich dann zumindest schon Mal in die Spalte. Aber dieser Knick stellt mich vor eine Herausforderung. Ich probiere zuerst, meinen Rucksack um die Ecke zu fummeln und mich dann hinterher. Das funktioniert aber nicht, da ich mich dann hinter dem Knick nicht hinstellen kann. Denn da steht ja der Rucksack. Also im zweiten Versuch falte ich mich ums Eck, Bauch und Gesicht in diese Mal nach links und nicht nach rechts (man guckt eh die Wand an…) und erst dann ziehe ich den Rucksack hinter mir her. Na also, geht doch! Jetzt nur noch die Taschenlampe in Position bringen und der Rest ist fast schon ein Kinderspiel.

Wichtiger Hinweis:

Rittergang und Deiwepëtz können auf dem Trail nicht umgangen werden. Wer es an den Stellen nicht schafft oder sich nicht hindurch traut, für den heißt es leider umkehren.

Noch irrer wird es am Kohlscheuer. Der gehört (je nach Sichtweise: zum Glück) nicht direkt zum Trail, über einen kurzen Abstecher kommt man aber schnell zum „Adventure Kohlscheuer„, einem gut ausgeschilderten, kurzen Rundweg durch wilde Spalten und Höhlen. Eine Belle Vue gibt es hier auch wieder. Auf dem Weg dahin ist eine ordentliche Taschenlampe Pflicht und den Rucksack sollt man tunlichst am Einstieg zu diesem Rundweg stehen lassen. Wen das noch nicht abschreckt, oder sogar anspornt, dem wünsche ich ganz viel Spaß 😊

Ich bin im Bildchen

Hinter dem Kohlscheuer wird der Trail wieder um einiges gemäßigter. Zwar geht es nach wie vor an der einen oder anderen hübschen bzw. interessanten bzw. skurrilen Felsformation vorbei – eine davon schaut aus, als ob ein Riese sein Gebiss liegen gelassen hätte – aber es gibt keine weiteren Schluchten oder Spalten zu durchwandern.

Teilweise wird der Weg sogar richtig komfortabel. Schön breit, eben, fast schon Luxus. Auch hinter der Abzweigung nach Herborn wandert man noch eine Zeit lang bequem weiter.

Durch die Abzweigung sind es gut anderthalb Kilometer mehr, als wenn ich direkt nach Scheidgen, dem nächsten Ort, gegangen wäre. Das heißt, morgen früh gibt es die Strecke also auch wieder on top. Aber der Rest des Weges geht sich wirklich gut. Zwar leicht bergauf, aber das soll mich jetzt auch nicht mehr stören. Erst geht es „normal“ durch den Wald, gegen Ende folgt man einer kleinen Rinne entlang eines Wasserlaufs. Hier treffe ich doch glatt die beiden Mädels vom ersten Tag wieder, im Gegensatz zu mir gehen sie Route 2 im Uhrzeigersinn.

Ich erzähle ihnen, worauf sie sich heute noch freuen dürfen, denn sie gehen zumindest noch bis Müllerthal, auch wenn sie dafür schon recht spät dran sind – es ist bereits kurz vor 16 Uhr und zwei Stunden brauchen sie mindestens bis dahin. Aber da dort ihr Bett steht, haben sie ja nicht so einen großen Zeitdruck. Auch wenn der Gesichtsausdruck einer der beiden schon ein wenig gequält ausschaut.

Eben als ich denke, dass der Wald doch irgendwann Mal ein Ende haben muss. höre ich Straßenverkehr und kurz darauf spuckt mich dann der Wald auch auf einer Rasenfläche aus. Direkt daneben steht das Bildchen, eine etwa 1.000 Jahre alte Eiche. Ziemlich zerrupft und ihnen hohl, aber nach einem Millennium darf man sich als Baum solche Freiheiten wohl herausnehmen. Wenn später im Jahr zumindest ein paar Blätter die jetzt noch fast kahlen Zweige zieren, macht der Baum wohl um einiges mehr her. Am bzw. im Stamm ist eine Gedenkstätte angebracht worden. Angeblich wurden im 18. Jahrhundert drei Brüder vom Blitz getroffen, zwei starben. Der überlebende Dritte hat dann zum Gedenken die kleine Statue aufgestellt.

Eine Busfahrt, die ist prima

Die Bushaltestelle ist gleich neben dem Bildchen, nur kurz quer über die Wiese und unter einer Brücke durch. Da angekommen, muss ich leider feststellen, dass ich den Bus gerade eben so verpasst habe. Der muss sich hinter meinem Rücken vorbei geschlichen haben, als ich mir den Baum angeschaut habe. Aber das ist kein Weltuntergang, denn ich setze mich auf den Boden in die Sonne, pfropfe mir meine Kopfhörernupsis in die Ohren, höre mein derzeitiges Hörbuch weiter und mache die Augen zu. Tiefenentspannung pur.

Am Busbahnhof springe ich noch schnell in den Supermarkt nebenan, um mich mit Getränken einzudecken. Anschließend geht es mit dem Rad zurück in die Herberge. Ich bin überrascht wie gut das klappt, obwohl meine Oberschenkel sich beim Wandern am Ende doch schon ein bisschen beschwert haben.

Dass ich die Route 2 nicht schon von Echternach aus gestartet habe, hat einen ganz einfachen logistischen Grund. Denn dann wäre mein Tag (vermutlich) in Müllerthal zu Ende gewesen. Zumindest wäre da dann eine passende „Halbzeit“ für die Runde. Aber die Busverbindungen von bzw. nach Müllerthal sind eher bescheiden bzw. selten, im Vergleich zu Bersdorf und Hersberg.

Von Echternach aus würde die Runde ab der Basilika starten und dann ein gutes Stück bergan gehen, bis man dann an einem Wanderparkplatz die Wahl hat, entweder mit oder gegen den Uhrzeigersinn zu gehen. Dazu schreibe ich im nächsten Beitrag noch etwas.

Ich bin heute auch einigermaßen froh, dass ich mich mit dem Bus ein Stück weit kutschieren lassen konnte. So (wunder)schön der Tag heute war, so anstrengend war er auch. Die 15 Kilometer fühlen sich nach deutlich mehr an. Das ewige hoch und runter und das Vorbeiquetschen an Felsen kostet auch einiges an Zeit – ich habe nicht wirklich lange oder viel Pause gemacht, meine effektive Gehzeit dürften etwa 5,5 Stunden gewesen sein…

Allerdings muss ich auch sagen, dass der Weg teilweise eigentümliche Schlenker macht, um nur ja jeden Felsen irgendwie mitzunehmen. Freunde des geradlinigen Wanderns können hier bestimmt einiges optimieren 😉

Was mich allerdings nach wie vor wundert ist, dass selbst an den unzugänglichsten Stellen ab und an Fahrradspuren zu erkennen waren. Da frage ich mich wirklich, welche Cracks oder Lebensmüden da unterwegs waren. Vielleicht haben sie ihr Rad aber an den extremsten Stellen auch einfach nur getragen?


Hinweis:

Busverbindung nach Berdorf via Linie 111; Echternach Gare – Berdorf Duerfplaz; Mo-So tagsüber stündlich

Busverbindung von Herborn zurück nach Echternach via Linie 110 oder 111; Altrier, Bildchen – Echternach Gare; im Wechsel Mo-So tagsüber etwa alle 30min

5 Gedanken zu “Mullerthal Trail Route 2, Teil 1 – Eng und enger

  1. Spektakuläre Bilder. Erinnern mich ein wenig an die Sächsische Schweiz. Und es sieht so aus, als wenn Du das alles ganz für Dich allein hattest. Traumhaft!!! Bin echt neidisch.

    1. Bilder können nur so spektakulär sein wie das, was man fotografiert 😉

      Der Unterschied zur sächsichen Schweiz ist wohl, dass es im Elbsandsteingebirge auch öfter Mal nach oben geht und es dann auch Aussichten hat. Das ist das einzige, was im Müllerthal ein wenig zu kurz kommt und mir insbesondere heute auch ein bisschen gefehlt hat. Aber auch ohne großartige Aussichten kann ich die Gegend unengeschränkt empfehlen.

      Ich warte beim fotografieren gerne, bis Menschen aus dem Bild gegangen sind. Das war hier überhaupt nicht notwendig – ich war wirklich alleine mit der Natur, absolut fantastisch!

  2. Lieber Stefan,
    Deine Berichte habe ich mir extra bis heute aufgespart, da ich frei habe.
    Hach … Kindheitserinnerungen kommen hoch, während du dich durch die Felsen schlängelst und Spalten quetscht. Ich war eins der Kinder, die hier gespielt haben. Während meiner Grundschulzeit habe ich mit meinen Eltern jedes Jahr Urlaub in Echternacherbrück gemacht, stilecht am Campingplatz an der Sauer. Ich habe es geliebt! Aus dem Grund steht der Mullerthaltrail schon seit längerem auf meiner Bucketlist. Was mich ein wenig abgeschreckt hat, sind die 3 Schleifen. Ich gehe nun mal am liebsten von A straight nach B. Da ich aber das letzte Mal zum Uni-Abschluss dort war, würde ich wahnsinnig gern noch mal hin. Nur die Anreise ist ein Abturner. Werde mir mal überlegen, es irgendwie mit einem Besuch bei meinen Eltern zu kombinieren und dann ggf mit dem elterlichen Auto runter zu düsen.
    Die Bilder und Geschichten machen auf jeden Fall Lust auf mehr und erinnern mich (gerade auch beim Thema Durchquetschen) an den Malerweg. Aber ob man mit komplettem Rucksack durchkommt, scheint mir fragwürdig.
    Schönes Wochenende!
    Audrey

    1. Huhu Audrey,
      ich fläze auch auf dem Sofa rum. Kann und darf man am Feiertag ja Mal machen 😎

      Die Trips mit meinen Eltern gingen bei mir früher an den Ruhrsee oder ins Sauerland. Um ehrlich zu sein, kannte ich die Ecke von Luxemburg bisher nur davon, an der Raststätte Wasserbillig günstig zu Tanken und Kaffee zu Kaufen 😅 Dieses Fleckchen Land hier war für mich ein echtes „Wow!“, hätte ich nicht erwartet.

      In der aktuellen Situation waren die Schleifen echt von Vorteil bzw. dass ich mich dann nicht um andere Unterkünfte kümmern musste. Unter normalen Umständen wäre ich wohl auch von Ort zu Ort gewandert und dort abgestiegen. Da könnte man dann auch sinnvoll die ExtraTouren mit einbauen und käme so auf 8-10 Tage Wandern. Auf die Weise wäre sowas wie eine große Schleife möglich, die dann an zwei Stellen „eingeschnürt“ ist. Klitzekleiner Nachteil wäre, dass man dann einige, wenige Kilometer doppelt geht. Aber selbst das ließe sich vermeiden, wenn man dann nicht auf dem Trail bleibt, sondern auf die vielen anderen ausgeschilderten Wege ausweicht. Anfang und Ende der Wanderung blieben dabei aber immer noch derselbe Ort.

      Bei Deiner Beschreibung des Malerwegs hatte ich ja schon beim Lesen über die vielen Stufen gestöhnt. Irgendwie bezweifele ich, dass der Mullerthal Trail in der Beziehung so viel besser ist. 😇

      Viele Grüße nach HH
      Stefan

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