Mullerthal Trail Route 3, Teil 2 – Bin ich schon da?

17. April 2021 – Beaufort nach Blumenthal (ca. 17 km)

Letzter Tag, gut geschlafen, gut gelaunt, mir geht’s gut, die Etappe heute wird toll. Alles super. Ich gehe jetzt erst einmal frühstücken und hoffe, dass sich das Spektakel von gestern Morgen nicht wiederholt. Aber ich habe Glück und bin direkt an der Reihe ohne warten zu müssen. Mit meinem gewohnten leichten Frühstück und zwei großen Tassen Kaffee starte ich in den Tag. Besser wäre es nur, wenn der Kaffee auch gut schmecken würde, aber die Hoffnung habe ich aufgegeben. Wenn ich etwas an der Jugendherberge zu bemängeln habe, dann das.

Ich probier’s Mal mit Gemütlichkeit

Ich muss schon direkt am Anfang gestehen, dass das hier wohl kein allzu langer Beitrag werden wird. Nicht weil die Strecke so kurz ist. Wobei sie allerdings auch nicht unbedingt lang ist. Nicht, weil die Strecke eintönig oder langweilig wäre, denn das ist sie nicht. Nur habe ich schon unterwegs nicht allzu viel aufgeschrieben. Ich habe auch nicht allzu viele Fotos gemacht. Was ich aber sehr wohl gemacht habe, ist den Tag einfach nur zu genießen. Nur Gehen und mir keine Gedanken machen. Das hat so gutgetan!

Nun muss ich dazu sagen, dass der Weg heute nicht besonders anspruchsvoll ist. Zwar wäre es heute schwierig geworden, mit geschlossenen Augen durch die Weltgeschichte zu wandern, aber ich muss mich auch nicht groß auf den Weg konzentrieren. Im Nachhinein fällt es mir daher ein bisschen schwer, daraus eine gescheite Story zu stricken. Aber ich versuche es trotzdem Mal 😊

Nachdem der Bus mich in Beaufort ausgespuckt hat, stiefele ich zuerst den Berg wieder hinunter zur Burgruine. Der Trail führt gleich links davon an einem kleinen Bassin vorbei. Teich kann man das nicht wirklich nennen, denn die Erbauer haben nicht einmal versucht, dem Becken einen natürlichen Anstrich zu geben. Es ist viereckig und mit Beton eingefasst. Da hilft es auch nicht viel, dass die Ränder inzwischen weitestgehend überwuchert sind.

Kurz dahinter tauche ich aber wieder in den Wald ein und was danach kommt, ist einfach nur schick. Der Trail führt mich nämlich am Haupeschbaach und dem Halerbaach vorbei. Beide wohl der Kategorie „wildromantisch“ zuzuordnen.

Es geht links und rechts an den beiden kleinen Wasserläufen vorbei. Gequert wird immer wieder entweder über Brücken oder Furten, die diesmal wirklich kinderleicht sind. An manchen Stellen ist das schmale Tal so eng, dass es, das kenne ich ja vom Rest des Trails schon zu genüge, auch wieder über Steinstufen hoch und runter geht.

An einer Stelle übersehe ich prompt einen Wegweiser und gehe über ein paar Stufen ans Wasser. Hier ging es dann zwar für bestimmt 30, vielleicht 40 Meter auch weiter, aber danach ist Ende. Ich denke, dass der Weg hier früher tatsächlich einmal entlang ging, aber durch unterspülte und weggebrochene Felsen ist das hier nicht mehr gangbar. Also kehrt, marsch und wieder zurück.

Von den vielen Vögeln, die es hier zu sehen, aber meistens nur zu hören gibt, habe ich ja schon erzählt. Heute entdecke ich aber ein besonders schickes Exemplar, bei dem ich mir überhaupt nicht sicher bin, was das für eine Art ist. Ungefähr so groß wie eine Amsel, knallgelber Bauch, grauer Kopf, Flügel und Rücken grau-schwarz gemustert. Das Bild ist leider ein wenig unscharf, der Geselle wollte einfach nicht stillhalten. Aber wenn ich die Suchmaschine meiner Wahl befrage, bekomme ich zur Antwort, dass es wohl eine Schafstelze oder noch passender eine Gebirgsstelze ist. Habe ich bisher noch nie gesehen oder zumindest wahrgenommen, auch wenn beide Arten wohl recht häufig sind.

Wäre es wärmer, gäbe es hier mehr als genug Stellen, an denen man sich die Schuhe ausziehen und die Füße ins Wasser halten könnte. Oder man setzt sich gleich komplett rein, nur fürs Schwimmen ist es vielleicht ein wenig flach. Die Muster, die die Strömungen in den Sand zeichnen, haben irgendwie auch ein bisschen was Zen-artiges.

Kurz vor einem schicken Landhaus geht es aus dem Wald und in die Sonne. Heute ist ein echt toller Frühlingstag, ich kann zum ersten Mal auch meine Jacke ausziehen, weil es warm genug ist.

Weiter geht es an einer schönen Flussaue entlang, die Schwarze Ernz hat mich wieder. An dem Flüsschen geht es jetzt erst einmal bis zur Heringer Millen entlang. Nach meinem äußerst erquicklichen Erlebnis an Tag 3 habe ich heute entschieden bessere Laune. Ich versuche heute aber auch gar nicht, hier etwas zu Essen zu bekommen. Stattdessen setze ich mich auf die selbe Bank auf der selben Wiese und packe gleich mein Lunchpaket aus. Einziger Unterschied ist, dass ich heute nicht meine Handschuhe anziehen muss, sondern mir auch im T-Shirt echt warm ist.

Wobei – es gibt noch einen Unterschied. Am Nachbartisch sind nämlich gerade drei Wanderer/Touristen aus Asien dabei, ihre Rucksäcke zu entleeren. Gläser, Geschirr, Besteck, mehrere Getränkeflaschen und ein Haufen Fressalien liegen schon auf dem Tisch. Ein Sack Grillkohle wird ebenfalls zu Tage befördert, ausreichend groß, um den riesigen Kugelgrill, der neben dem Tisch steht, für einige Zeit befeuern zu können. Die Methode, wie sie dieses Trum über die Wanderwege bis hierher befördert haben, täte mich wirklich interessieren. Ich denke aber, dass Grill & Co. gerade Mal vom Parkplatz hinter der Millen bis hierhin gerollt bzw. getragen wurden.

Grillprofis sind die drei jedoch leider nicht und so sehe ich zeitig zu, dass ich Land gewinne. Ansonsten wäre ich irgendwann geräuchert. Der Grill produziert nämlich bedeutend mehr Rauch, als Hitze. Passenderweise kann ich also sagen: Mir stinkt es.

Über sieben Treppen muss ich geh’n

Das Stück von der Heringer Millen bis zum Schiessentümpel ist ja identisch zur Route 2, von daher weiß ich ja bereits, was ich zu erwarten habe. Die Etappe war bis hierher aber nicht halb so anstrengend, wie die Strecke vor drei Tagen über Stock und Stein, daher macht mir auch der kleine Anstieg hinter dem Campingplatz nichts aus.

Beim Schiessentümpel halte ich mich auch nicht lange auf, denn es ist mir hier entschieden zu voll. Man merkt deutlich, dass heute Samstag ist. Auf dem Trail sind mir bisher zwar auch heute noch keine Menschen begegnet, aber an der Millen und auch hier sind eine Menge Tagestouristen unterwegs.

Für Route 2 musste ich ja über die Straße und links den Berg hoch. Route 3 hingegen führt rechts neben der Schwarzen Ernz entlang. Eine erst vor kurzem eröffnete Treppe führt den Weg dann nach oben weiter. Die Treppe ist echt schick gemacht. Ich finde nur Informationen darüber, dass sie „über 90 Meter lang“ sei, aber ich meine mich zu erinnern auf einem Schild etwas von 114 Stufen gelesen zu haben. Da mag ich mich aber irren. Komplett mit Holz aus der Region verkleidet (in dem teilweise wohl sogar Munitionsreste aus dem Krieg gefunden wurden) besteht das Gesamtwerk aus mehreren einzeln befestigten Segmenten. Die einzelnen Stücke sind also unabhängig voneinander und sind schwingend gelagert. Das Laufgefühl darauf ist schon irgendwie strange, quasi „beschwingt“.

Die Schwarze Ernz und leider auch die Straße parallel dazu mit ihrem zum Glück nur sporadischen Verkehrslärm lassen mich für eine ganze Weile nicht los, auch wenn ich einige Meter über ihnen laufe. Zwischendurch muss ich die Straßenseite wechseln, aber letztlich verläuft der Mullerthal Trail weiter mehr oder weniger parallel.

An einem Wanderparkplatz geht es dann endlich von der Straße weg und stetig nach oben, bis zu einem uralten Regenwassersammelbecken (Scrabbel, 3-facher Wortwert, gewonnen!). Gleich dahinter geht es über eine fiese Treppe nach unten. Am Fuß der Treppe erwartet einen die Kallektuffquell. Das ist einer meiner persönlichen Highlights auf dem Weg – die bemoosten Felsen, das Wasser, dass hier herunter tropft, das glasklare Wasser uterhalb der Felsen, aber vor allen Dingen die Farben, die zusammen mit dem Licht-Schatten-Muster durch den Sonnenschein wirklich toll aussehen. Hier bleibe ich doch glatt noch einmal für ein paar Minuten stehen.

Einen knappen Kilometer lang gibt es im Anschluss dann wieder Holzsteg all you can walk, auf dem man die Schwarze Ernz mehrfach überquert. Es geht sich aber prima, auch wenn meine Stöcke aufgrund der Abstände zwischen den Bohlen einmal mehr nicht gefragt sind. Immer schön abwechselnd durch Sonne und Schatten ist das ein echter Wohlfühlweg. Mich wundert nur ein wenig, dass bei dem heute doch warmen Wetter hier am Wasser so gut wie keine Mücken unterwegs sind. Ist aber vielleicht noch ein wenig früh im Jahr.

Lockerer Ausklang

Ein allerletztes Mal muss ich dann noch bergauf, vom Flusstal hoch in den Marscherwald und anschließend ins Rippsmuer, ein Hochmoor.

Der Wald ist jetzt nicht sooo besonders, aber auch das Moor lockt mich nicht unbedingt. Einerseits weil hier gerade die größte Wander- bzw- Spaziergänger-Gruppe unterwegs ist, die ich bisher auf dem Trail getroffen habe. Das ist mir zu viel Geschnatter und Trubel. Andererseits weil fast überall gerade gerodet wird und die Gegend einen ziemlich traurigen Eindruck macht. Ich sehe also zu, dass ich das (kleine) Moor zügig hinter mir lasse und gehe weiter, bis ich wieder an den Waldrand komme.

Die Wegqualität hat hier leider auch durch die schweren Fahrzeuge der Waldarbeiter arg gelitten. Es ist ein echter Krampf. Nicht nur, dass es wieder keine 10 cm² ebenen Bodens am Stück gibt. Wir sind schließlich am Rande eines Moors, also ist alles auch noch so richtig schön durchgesuppt. Zum Glück biegt der Hauptweg bald rechts ab und der Trail führt, dem Gluedbaach folgend auf einem Nebenweg geradeaus weiter.

Der Wald ist hier wieder einfach nur traumhaft. Moos überall, Felsen links und rechts, uralte Bäume und die Sonne scheint zwischen den Bäumen durch. Auch der Untergrund ist ein Träumchen – schön dick und federnd mit Nadeln bedeckt.

Als letztes Highlight preist mein Wanderführer die Sonnenuhr (oder auch Sonnenauer) an. Gerade als ich mich frage, ob ich vielleicht schon dran vorbei gegangen bin und das Ding so unauffällig ist, dass ich es nicht gesehen habe, steht links ein Wegweiser. Offensichtlich liegt sie Sonnenuhr nicht direkt am Wegesrand. Also schon, doch – nur halt 20 Meter weiter oben. Also steige ich den Weg und die Stufen nach oben.

Die hier vorhandene und für eine Pause wie gemalte Bank ist leider bereits besetzt, aber es gibt genug große Steine, die auch als Sitzgelegenheit herhalten können. Ich pflanze mich also nieder und packe die Reste vom Lunchpaket aus. Während ich an meiner Banane kaue, frage ich mich, wann die Uhr wohl das letzte Mal die Uhrzeit angezeigt hat. Durch die dichten Baumkronen ist das mit dem Schattenwurf der Sonnenuhr ein wenig schwierig. Nachdem ich hier bestimmt schon 20 Minuten sitze, fällt mir so langsam auf, dass ich mir einen weicheren Stein hätte suchen können…

Den Rest des Weges geht es ganz entspannt, unspektakulär und meistens bergab durch den Wald bis an die Hauptstraße von Blumenthal. Bis zur Bushaltestelle ist es dann wie gestern nur das kurze Stück an der Straße lang.

Ich war heute ganz „normal schnell“ unterwegs. Beeilt habe ich mich ganz bestimmt nicht, aber ich habe auch nicht getrödelt, zumindest nicht bewusst. Ich bin aber trotzdem ein bisschen überrascht, dass ich schon am Ziel bin. Der Blick auf die Uhr verrät zwar, das sich inklusive Pausen etwa 5 Stunden unterwegs war, aber ich habe heute irgendwie total das Zeitgefühl verloren. Einerseits schade, denn ich bin heute gut dabei gewesen. Aber andererseits auch irgendwie gut, denn wenn die Zeit schnell um geht, hat es wirklich Spaß gemacht.

Ende

Da sitze ich dann zuerst im Häuschen der Bushaltestelle. Die Dinger bieten in Luxemburg aber des Öfteren einen zusätzlichen Schutz vor Wind und Wetter, sie sind nämlich auch an der Vorderseite etwa bis zur Hälfte verglast. Das ist bei so schönem Wetter echt von Nachteil, denn da staut sich natürlich die Wärme, sodass ich recht zügig nach draußen flüchte.

Ich überlege sogar ganz kurz, ob ich bis nach Junglinster nicht noch Wandern kann, denn da muss ich am P+R ja wieder umsteigen. So weit ist das nicht, aber abgesehen von der Straße ohne Bürgersteig oder Seitenstreifen gibt es leider keine vernünftige Möglichkeit, dorthin zu gehen. Also fahre ich die zwei Stationen dann doch mit dem Bus und setze mich beim Warten auf meinen Anschlussbus wieder in die Sonne.

Schade eigentlich, dass das heute der letzte Wandertag war. Es hat echt Spaß gemacht und ich bin jetzt gerade so richtig schön eingegroovt. Aber ich freue mich dann doch, nach der knappen Woche wieder unter Leute zu kommen und zwischendurch einen vernünftigen Kaffee trinken zu können.

In Echternach angekommen, greife ich mir zum letzten Mal mein Rad und radle zurück zur Herberge. Der Rest des Tages bzw. der Abend ist dann wieder gewohnt unspektakulär, aber das ist ja kein Unterschied zu den letzten Tagen. 😄


Hinweis:

Busverbindung von Echternach nach Beaufort Direktverbindung via Linie 414; Beaufort Härewiss – Echternach Gare; Mo-Fr unregelmäßig
ansonsten via Linie 502 bis Reisdorf, Bei der Gare und weiter mit Linie 500 bis Echternach Gare oder via Linie 107 bis Junglinster P+R, dann mit Linie 110 bis Echternach Gare; beides Mo-So i.d.R. stündlich

Busverbindung von Blumenthal zurück nach Echternach via Linie 110 bis Junglinster P+R, dann mit Linie 105 weiter bis Blumenthal; Mo-So tagsüber stündlich

2 Gedanken zu “Mullerthal Trail Route 3, Teil 2 – Bin ich schon da?

  1. Hallo Stefan! Wie immer großartig erzählt. Man merkt gerade beim letzten Abschnitt, dass Du jetzt eigentlich erst angekommen bist. Hoffentlich hast Du Dir dieses Gefühl eine Weile bewähren können. LG von der Bergstraße, SonjaM

    1. Ja… Sechs Tage sind ein bisschen wenig, um den Kopf frei zu bekommen und dann auch noch genießen zu können. Zu Hause ist es dann leider wie so häufig, dass der Alltag einen sehr zügig wieder einholt. Aber unterm Strich ist’s ok.

      Viele Grüße, bleib gesund
      Stefan

      Da muss ich doch noch was ergänzen – was das genießen angeht, meine ich natürlich nicht das Wandern an sich. Das war wirklich toll, wie man hoffentlich in den letzten Beiträgen herauslesen konnte. Ich meine damit, den freien Kopf genießen zu können. 😉

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