Heidschnuckenweg Tag 3 – Nächste Runde rückwärts

06. September 2021 – Undeloh – Handeloh (17 km)

Wer Lesen kann, ist klar im Vorteil. Anders lässt es sich nicht erklären, wie ich heute wieder eine für mich irgendwie typische Fehlplanung hinlegen konnte. Mit ein bisschen Eigenlob darf ich mir aber immerhin zugutehalten, dass ich mich von sowas nicht aus der Bahn werfen lasse. Für Etappe drei des Heidschnuckenwegs hatte es aber immerhin keinerlei relevante Konsequenzen. Aber wie immer von Anfang an.

Frühstücksstress

Da ich gestern ja bekanntlich mit dem Bus von Handeloh hierher gefahren bin, will ich heute dementsprechend mit dem Bus wieder zurück nach Handeloh, damit ich dann den HSW ganz normal wieder zurück nach Undeloh wandern kann. Ich komme heute Nachmittag also genau dort an, wo ich gleich loswandern werde. Dass der erste Bus des Heideshuttles um 9:15 Uhr fährt, habe ich gestern Abend schon herausgesucht. Entsprechend viel Zeit nehme ich mir heute für mein Frühstück und so richtig zeitig aufgestanden bin ich heute auch nicht. Die Tageskilometer sind wieder überschaubar und flach ist es noch obendrein, da brauche ich mich wahrlich nicht zu hetzen.

Im Gegensatz zu sonst, spare ich es mir ausnahmsweise sogar, schon vor dem Frühstück alles wieder zurück in den Rucksack zu packen. Das nehme ich mir vor, ganz in Ruhe im Anschluss zu machen. Den Großteil kann ich heute ja auch hier lassen, denn ich wechsle schließlich nicht die Unterkunft. Also steht Wandern mit leichtem Gepäck an, auch was Feines. Da ich aber nicht extra einen Tagesrucksack nur für diesen einen Tag eingepackt habe, bleibt mein großer Reisebegleiter heute sehr leer. Optimal ist das sicherlich nicht, aber für den einen Tag geht das schon.

Ich sitze also völlig unbedarft mit einer Tasse Kaffee in der einen und einem dick belegten Brötchen in der anderen Hand an meinem Frühstückstisch und lese nebenbei auf dem Handy die Nachrichten von gestern Abend, dieser Nacht und heute früh nach. Da, je nachdem wie man es sieht, entweder ausnahmsweise oder zum Glück, nichts Weltbewegendes passiert ist, schaue ich dann doch noch mal nach dem Heideshuttle. Ja, ab und zu bin ich der Typ, der zu Hause drei mal guckt, ob denn der Herd aus ist, sich nach zwei Stunden Fahrt in den Urlaub aber trotzdem fragt, ob er denn eigentlich danach geschaut hat. Weniger Zwangsstörung, als vielmehr ein enorm hohes Level Verpeiltheit. Jedenfalls fällt mir dann auf, dass das Shuttle als Ringlinie verkehrt! Das hätte mir vielleicht auch schon früher klar werden können, denn die Haltestellen sind immer nur in eine Richtung angegeben… Grundlegend wäre das nicht so ein großes Thema, denn nach Handeloh käme ich ja so oder so. Nur dauert die Fahrt dann keine 20 Minuten, sondern mit der Rundtour über die Dörfer runde zwei Stunden! Das würde bedeuten, dass ich erst gegen Mittag loswandern könnte. Nicht nur, dass es mir dann nach hinten raus – auch, wenn ich nicht wirklich Zeitdruck habe – zu spät wird. Es soll heute auch sehr sonnig und sehr warm werden, da möchte ich eigentlich nicht unbedingt schon gleich am Anfang in die Mittagshitze geraten.

Kurzerhand plane ich also ein klein wenig um. Was spricht denn dagegen von hier aus nach Handeloh zu gehen und dort wieder in den Bus zurück zu steigen? Außer, dass ich die dritte Etappe damit rückwärts gehe, eigentlich nichts. Wann der Bus in Handeloh mich wieder zurück bringen kann, brauche ich eigentlich gar nicht nachzuschauen, es wird derselbe sein, wie gestern, nämlich um kurz nach 16 Uhr.

Nach diesem kleinen Schock, genehmige ich mir, um runterzukommen, gleich noch einen Kaffee. Wohlwissend, dass die Versorgungslage unterwegs heute auch wieder suboptimal bis nicht vorhanden sein wird. Außerdem muss ich ja vorerst keinen Bus mehr erwischen.

Alle, die diesen Beitrag hier lesen und den Weg irgendwann selbst wandern möchten, müssen also leider von hinten nach vorne lesen, so sie denn nicht vorhaben, auch falschrum unterwegs zu sein 😅

Der frühe Vogel ist alleine unterwegs

Mit meinem ausnahmsweise ultra-leichten Rucksack bewaffnet ziehe ich gegen halb neun bei strahlend blauem Himmel zuerst Richtung Osten. Denn obwohl ich heute nach Norden wandere, muss ich zuerst wieder die Schleife von meiner Pension zur Hauptstraße und damit zum HSW nehmen. Luftlinie sind das geschätzt vielleicht 50 Meter. Aber ich möchte nicht bei fremden Leuten über den Gartenzaun klettern und anschließend noch durch Haus laufen, nur um ein paar Meter zu sparen.

Wenn ich also eh schon durch die Ortsmitte muss, so dass den ob der Übersichtlichkeit von Undeloh überhaupt der passende Begriff ist, kann ich auch gleich den gestern mangels Tageslicht ausgefallenen Rundgang spontan einschieben. Nicht, dass das sehr lange dauern würde, aber Undeloh hat sich schon schön fein herausgeputzt und es ist alles sehr, sehr grün. Ich finde es gar nicht mehr so früh am Morgen, aber da der Durchschnittstourist wohl noch beim Frühstück sitzt, bin ich aktuell noch alleine auf der Straße unterwegs und kann mich angenehm in Ruhe umschauen.

Aus dem Ort raus ist man dann schnell, wenigstens sehe ich dabei noch meine erste Heidschnucke. Auch wenn sie mangels lebendiger Exemplare aus Beton gegossen und ein bisschen tonnenförmig ist.

Der Tag startet dann gleich zünftig mit einem sehr sandigen Reitweg. Wenn ich ein wenig am Rand gehe, ist das aber halb so schlimm. Nach ein paar hundert Metern biege ich ohnehin nach rechts ab und es geht an einem schönen Sonnenblumenfeld vorbei in den Wald. Dass die Sonnenblumen mir alle den Rücken zukehren, nehme ich ihnen nicht persönlich. Dazwischen haben wieder ganz viele Spinnen ihre Meisterwerke geschaffen, die nass vom Tau vor sich hin funkeln.

Für ein ganz kurzes Stück wandere ich durch den Wald, dann heißt es eine Straße zu überqueren. Die heißt zwar ganz harmlos „Zur Dorfeiche“, ist aber ganz ordentlich frequentiert. Heute morgen vor allem von einer Vielzahl Traktoren und Landmaschinen, die auf die Felder zur Ernte fahren. Gleich dahinter muss ich dann parallel zur Straße über einen geschotterten Wanderparkplatz. Das ist zwar nicht der schönste Streckenabschnitt, aber wenigstens muss ich nicht direkt an der Straße lang.

So eine Plaggerei!

Gleich am Ende des Parkplatzes stehen Bank und Tische. Ich bin zwar erst eine halbe Stunde unterwegs (wenn überhaupt, ich habe nicht auf die Uhr geschaut), aber trotzdem setze ich mich hin. Nicht, weil ich unbedingt eine Pause bräuchte, sondern weil ich den Blick in die Heide hier gerade sehr genieße. Wie immer brummt und summt es hier allenthalben, die Bienenvölker, die in den Stöcken des enorm großen Bienenzauns ihr zu Hause haben, sind halt schon frühmorgens sehr fleißig.

Ein bisschen wird das Bild davon getrübt, dass die Heidefläche direkt vor mir sehr trostlos aussieht. Hier wurde geplaggt, d.h. der fruchtbare Boden wurde bis auf den Sand darunter abgetragen, damit sich im Anschluss wieder Heidekraut und andere typische Gewächse ansiedeln können.

Wenn man sich mal überlegt, dass Heideflächen menschgemacht sind und nur durch den Menschen auch als solche erhalten bleiben können, ist das schon irgendwie skurril. Ich gebe mich der schon irgendwie philosophischen Überlegung hin, ob es eigentlich noch Naturschutz ist, wenn man hier ja im Grund der Natur etwas vorenthält. Aber ja, Heidebienen, Heidschnucken und was sich sonst noch so alles in der Heide zu Hause fühlt, sehen das sicherlich anders. In den kommenden Tagen werde ich an mehreren (kleinen) Heideflächen vorbei wandern, um die sich weniger gekümmert wird bzw. bei denen das Plaggen (über)fällig ist. Da stehen dann innerhalb kürzester Zeit schon dicht an dicht die jungen Kiefern und der Wacholder und machen einen auf Möchtegern-Wald. Der Wanderführer nennt diese Flächen „verwahrlost“, aber eigentlich holt sich die Natur nur das zurück, was Mensch ihr mal weggenommen hat…

Während ich so in die Landschaft gucke, kommt mir der Gedanke, dass mir heute wohl erst ab der Hälfte der Etappe wirklich Wanderer begegnen werden. Die allerwenigsten werden wohl in der selben Richtung wie ich unterwegs sein und diejenigen, die heute „normal“, also südwärts wandern, sind ja auch vor nicht allzu langer Zeit erst losgegangen. Aber wie es halt so ist: Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt. Denn ich bin kaum 100 Meter weitergegangen, da kommt mir Ole entgegen, den ich am ersten Tag ja schon am Karlstein getroffen hatte. Er ist schon gegen sechs Uhr aus seinem Zelt gekrabbelt und losgewandert. Bis wohin es ihn heute zieht, weiß er selbst noch nicht. Da wird er mir aber morgen wohl schon deutlich voraus sein, dass ich ihn noch einmal treffe, ist wohl eher unwahrscheinlich. Wir plauschen ein bisschen, ich erzähle ihm, wo man in Undeloh frühstücken kann, er erzählt mir, dass ich das bis Handeloh nicht kann. Nicht, dass mich das jetzt überraschen würde. Da wir beide aber weiter wollen, ziehen wir dann wieder unserer Wege.

Ob geplaggt oder nicht, die Weseler Heide ist ein kleiner Augenschmaus. Aber es geht durch prallen Sonnenschein, da krame ich bei nächster Gelegenheit die Sonnencreme aus meinem Rucksack und schmiere mich großzügig ein. Zusammen mit dem Schwitzen ist das immer ein durchaus ekliges Hautgefühl, aber immer noch besser, als sich einen Sonnenbrand einzuhandeln.

Wer ist der Bürgermeister von…?

Gleich hinter der Heide liegen dann linker Hand die Pastorenteiche, schön idyllisch zwischen Bäumen. Von der Lufttemperatur her wäre es absolut drin, sich die Schuhe und Socken auszuziehen und die Füße ins wahrscheinlich sehr kalte Nass zu halten. Aber ich möchte erst bis Wesel weiter und mir da irgendwo ein schattiges Plätzchen suchen. Das sind von hier aus gerade noch knappe zwei Kilometer, also ist eine Pause definitiv absehbar.

Bis Wesel – nicht zu verwechseln mit der altehrwürdigen Hansestadt – wandert es sich echt angenehm durch den Wald und am Waldrand entlang, bis man auf den Höllenhoff stößt. Die Einwohner hier sind aber nicht unbedingt satanistischer unterwegs, als anderswo (wobei… wer weiß?), der Name leitet sich wohl vom Holler, also dem Hollunder ab, der hier überall wächst.

Fast das Erste, an dem man vorbeikommt ist das kleine, niedliche und extrem gemütlich aussehende „Hexenhäuschen“. Den Namen verdankt es wohl eher phantasievollen Bürgern, denn ursprünglich war es mal ein Backhaus, zwischenzeitlich ein Wohnhaus und dient inzwischen als Außenstelle des Standesamtes. Da so eine standesamtliche Hochzeit in der Regel ein wenig mehr ist, als rein, ja, raus, gibt es draußen ein paar Bänke mit Tisch und auch eine Grillhütte. Ich persönlich kenne wenig Hochzeiten, bei denen das Brautpaar nach dem Jawort meinte „Boah! …und jetzt ein Steak vom Grill!“ Aber gut, es gibt ja nix, was es nicht gibt. Ich jedenfalls belege eine der Bänke und den zugehörigen Tisch für meine Mittagspause.

Hier sitzt es sich extreeeeem angenehm. Schön im Schatten unter riesigen, alten Eichen. Die Vögel piepen wie wild, einer davon ist sogar ein wenig penetrant, weil echt laut. Dafür bekomme ich aber ein kostenloses Privatkonzert von einer Singdrossel – zumindest sagt mir zumindest die BirdNET-App, dass es eine Singdrossel sei. Die Durchgangsstraße ist ausreichend weit weg, dass man den Verkehrslärm nicht mehr wirklich wahrnimmt. Es ist aber ohnehin kaum Verkehr.

Schräg gegenüber wäre ein Café oder Restaurant, zumindest hängt Bier-Reklame über der Tür. Zwar steht draußen ein Schild „Wir haben geöffnet!“, aber das stimmt nicht. Wahrscheinlich hat nur jemand vergessen, das Schild reinzuholen. Aber Ole hat mich ja schon darauf vorbereitet, dass es hier heute nichts gibt. Aber auch so bin ich mit meinem Obst und einem belegten Brötchen zu Mittag im Grunde ganz zufrieden. Bisher ist das ein zwar recht ereignisloser, aber dafür umso entspannter Wandertag.

Wesel an sich ist wie ausgestorben. Klar, die Leute sind vermutlich alle arbeiten. Allerdings werkelt in gefühlt jedem Garten ein Mähroboter vor sich hin. Wären die so laut, wie ein klassischer Rasenmäher, müsste ich hier wahrscheinlich mit Gehörschutz rumlaufen. Ansonsten sind hier die Bürgersteige komplett hochgeklappt. Es sind ein paar echt schicke Häuschen mit schönen Gärten dabei, leben lässt es sich hier bestimmt ganz prima. Ist nur ein bisschen weit bis zum nächsten Supermarkt.

Long black road, oder: Wehwehchen in Wehlen

Von Wesel aus geht es über eine schnurgerade, asphaltierte Straße, die den schnittigen Namen Wehlener Weg trägt, nach – richtig – Wehlen. Ich habe mich nämlich dazu entschlossen, eine Wegalternative zum Weiler Wehlen einzuschlagen, die vom Wanderführer als „empfehlenswert“ beworben wird. Ok, um die Straße käme ich abgesehen vom letzten Drittel auch auf dem Hauptweg nicht rum. Links und rechts sind zuerst Maisfelder. Das ist optisch eher unspannend, daher gehe ich ein bisschen bewusster und übe das korrekte und flüssige Abrollen mit meinem aua Fuß. Etwa ab der Stelle, an der der HSW nach rechts abzweigt, ich aber den Weg geradeaus weiter nach Wehlen wähle (so, genug blöde Wortspiele jetzt!), fängt zumindest links ein bisschen Heide an. Da das hier aber ein nur vielleicht 50 Meter breiter Streifen ist, ist das auch nicht unbedingt allzu sehenswert.

Die Straße ist laut einem bekannten online-basierten Kartendienst knapp 3,5 Kilometer lang, zieht sich aber in der Sonne wie ein ausgelutschter Kaugummi. Zwischendurch muss ich zwei, drei mal in den Straßengraben ausweichen, weil ich den Autos, die hier entlang brettern, nicht zutraue, auf dem schmalen Asphaltstreifen ausreichend oder überhaupt Sicherheitsabstand zu halten. Kurz vor Wehlen stehen dann endlich wieder mehr als nur ein paar Bäume am Straßenrand, die flächig Schatten spenden.

Zu Wehlen selbst gibt es nicht viel zu erzählen – fünf teilweise schickt renovierte alte Höfe unter wahrscheinlich ebenso alten Bäumen. Leider ist die Straße aber wohl auch so alt. Ich darf hier über grobes, sehr unregelmäßiges Pflaster stolpern. Wären es wenigstens vernünftige Kopfsteine, würde ich ja nicht mal meckern (ok, vielleicht schon ein bisschen), aber es sind nicht nur Kieselsteine in allen verfügbaren Größen und Formen (solange es irgendwie abgerundet ist), es sind auch große abgerundete Steine, quasi fast schon Felsen, verbaut. Schon im Normalfall ist es darauf wohl sehr unangenehm zu gehen. Mit meiner Verletzung ist das hier ein echter Hindernisparcours. Nebendran zu gehen, klappt nicht, weil dort entweder Wasser steht oder dichte Büsche wachsen. Also Augen auf die Straße und möglichst so von Stein zu Stein trippeln, dass ich nicht umknicke. Wenigstens geht es gleich hinter dem letzten Haus wieder rechts in den Wald und damit weg von dieser Folterkammer.

Die Quelle der Seeve habe ich im wahrsten Sinne des Wortes links liegen lassen, aber für die nächsten 2,5 Kilometer oder so folge ich dem kleinen Fluss nordwärts. Auch wenn es durch richtig kräftig grünen, dichten, urwüchsigen Wald geht, eigentlich mein Happy Place, kann mich das Stück hier aber gerade gar nicht begeistern. Denn zum einen ist es hier extrem schwül, gefühlte 150% Luftfeuchte, und ich schwitze mir mein Shirt klatschnass. Zum anderen habe ich mir doch glatt einen kleinen Wolf gelaufen. Das ist mir beim Wandern echt noch nie passiert. Das Gehen ist daher durchaus ein bisschen unangenehm. Heute Abend nach dem Duschen ein bissen Wundsalbe drauf und morgen früh eine Portion Hirschtalg, dann sollte das – hoffentlich – nicht weiter groß ein Thema sein. Aber jetzt gerade kann ich das überhaupt nicht gebrauchen! Wenigstens hat dann meine Reiseapotheke endlich mal eine Daseinsberechtigung abseits von Blasenpflastern. Aber lieber dabei haben und nicht brauchen, als brauchen und nicht dabei haben. Wozu gibt es denn die Tuben in Reisegrößen? „Die paar Gramm machen doch nichts aus“ sage ich mir zwar bei der einen oder anderen Sache in meinem Rucksack auch, das summiert sich dann ganz schön, aber in dem Fall halte ich es für unverzichtbar.

Wieder auf der Sonnenseite des Wanderns, also als der Wald endlich ein Ende hat, suche ich mir die erste Sitzgelegenheit. Ich muss nämlich durchpusten. Pause. Ungelogen – ich kann mein Shirt auswringen. Bah!

Wenn ich so auf den Tacho schaue, bin ich heute eigentlich ganz fix unterwegs. Ich bin auch schon ordentlich weit. Bis Handeloh sollte es wohl nur noch etwa eine dreiviertel Stunde sein, wenn ich gemütlich gehe. Ich habe also keinen Grund zur Eile, bleibe fürs erste hier sitzen und warte, bis ich zumindest angetrocknet bin. Was bei dem warmen Wetter nicht allzu lange dauert.

Das letzte Stück bis zum heutigen Etappenziel ist ein bunter Mix aus Wald, Feld, Wiese und Heide. In Summe reißt mich das aber nicht vom Hocker. Wäre ich wie geplant in Handeloh gestartet, wäre das ein toller Einstieg in den Tag gewesen, aber so fällt es nach dem Rest der Strecke halt leider hinten raus ein bisschen ab.

Wenigstens lockern ein paar tierische Highlights die Atmosphäre ein wenig auf. Auch wenn das sicherlich kein Ersatz dafür ist, dass ich jetzt drei Tage auf dem HSW unterwegs bin und er seinem Namen bisher absolut nicht gerecht geworden ist. Bisher jedenfalls haben sich alle Heidschnucken erfolgreich vor mir versteckt.

Ganz am Ende muss ich dann, schon an den ersten „Ausläufern“ Handelohs vorbei, an den Gleisen der Heidebahn entlang. Über Asphalt. In der Sonne. Aber auch das kratzt mich jetzt nicht mehr groß, denn der Bahnhof ist schon in Sichtweite. Allerdings lasse ich auch den links liegen, denn bis das Heideshuttle da abfährt, sind noch fast zwei Stunden Zeit. Von daher gehe ich noch die 50 Extrameter und kehre wieder in dem Café ein, in dem ich auch gestern schon meinen Kaffee genossen habe.

Da ich auch heute nicht im Café sitzen bleiben möchte, nur um des Sitzens willen, ziehe ich mein Programm von gestern auch heute wieder durch:
Neben dem Bahnhof auf die Wiese legen, Augen zu machen und dösen. Es ist so herrliches Wetter, besser könnte es nur sein, wenn jetzt noch ein Schwimmbecken in der Nähe wäre, in das ich schnell mal reinhüpfen könnte. Aber man kann halt nicht immer alles haben, von daher bin ich auch so ganz zufrieden.

Abendessen mit Clown

Wieder in Undeloh angekommen, inklusive des halben Extrakilometers zu meiner Pension, schaffe ich es heute, nach dem Duschen nicht einzuschlafen. Da mich heute auch niemand unvorhergesehen anruft, kann ich ganz in Ruhe zeitig zum Abendessen aufbrechen.

Leider hat das Restaurant, in dem ich gestern Abend schon gegessen habe, heute Ruhetag. Schade eigentlich, das war echt gut da. Aber so bringe ich ein wenig Abwechslung rein und gehe in die Pizzeria an der nächsten Straßenecke. Bestimmt gäbe es noch andere Möglichkeiten, aber ich bin zu faul, zum Suchen. Pizza tut’s auch.

Ums kurz zu machen: Eine Pizza gab es nicht, auch wenn die am Nachbartisch riesig und lecker aussahen. Aber auf der Karte stand ein ordentlicher Schmortopf mit Hühnchen, der mich schon beim Drüberlesen überzeugt hat. Es war lecker rund es war mehr als ausreichend viel. Ob das Gericht überhaupt irgendetwas mit Italien zu tun hat, war mir da ziemlich egal.

Ich bin mir nicht sicher, ob der Kellner ein High- oder doch eher ein leicht nerviges Lowlight war. Denn er hat einen blöden Spruch nach dem anderen rausgehauen. Zwischendurch hat er in den Ned Flanders Modus geschaltet, wenn eine Bestellung mit „Okily dokily!“ Bestätigt wurde. Vom Nachbartisch wurde das irgendwann mit einem „Meine Güte!“ kommentiert. Mir war das eigentlich egal. Hauptsache lecker essen und zwei, drei Bierchen.

Morgen geht es auf den Wilseder Berg. Da bin ich ja mal gespannt, aber schlimmer als die schwarzen Berge an Tag 1 kann das ganz sicher nicht werden…

Tagesfazit

Heidschnucken: 2
Elefanten: 1
Davon lebendig: 0

Menno!

2 Gedanken zu “Heidschnuckenweg Tag 3 – Nächste Runde rückwärts

  1. Flip-Floppen auf Wanderwegen ist meine Königsdisziplin wenn die Logistik passend zum Wandern geplant werden muss ;-). Ein Thru-Hike wird das trotzdem.

    Zur Vorbeugung für den „Wolf“ empfehle ich Babypuder, und wenn man ihn denn schon hat: Penaten Creme. Millionen von Babies können dies bestätigen. Vielen Dank für eine neue unterhaltsame Episode vom HSW. LG SonjaM

    1. Flip-Floppen muss ich mir in dem Zusammenhang echt merken 👍🏻

      Penaten habe ich für sowas zu Hause. Wollte ch aber neben Bepanthen und Hirschtalg nicht auch noch mitnehmen. „Schmiert“ ja auch beides hervorragend. Am nächsten Tag hatte ich auch keine Probleme mehr damit, zum Glück.

      Es war mir wie immer einer Freude! 😊

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