Heidschnuckenweg Tag 7 – Waschküche

10. September 2021 – Soltau – Wietzendorf (ca. 20 km)

Dass mein Hotel ein gutes Stück vor Soltau-Downtown liegt, hat mich gestern gerettet. Denn ansonsten wäre ich wohl auf Händen und Knien die letzten Kilometer durch die Lande gerutscht. Für gewöhnlich kann ich nicht allzu gut schlafen, wenn es (mir) zu warm ist. Aber ich war gestern Abend so durch, bin ratz-fatz eingeschlafen und habe überhaupt nichts mehr mitbekommen. Vor allem nicht, dass es irgendwann in der Nacht angefangen hat, zu schütten wie aus Kübeln. Wenigstens hat es nicht rein geregnet.

Ich bin relativ früh wach und habe keine Eile. So quäle ich mich nach der Morgenwäsche in meine Wanderklamotten und tappse in sehr unterkoffeiniertem Zustand zum Frühstück. Dass ich dazu auch wieder raus und ins Nebengebäude muss und dabei nass werde, ist mir recht egal. Hauptsache Kaffee! Die Bedienung stellt ein kleines Tässchen vor mir ab und will schon beidrehen, da halte ich sie mit einem beherzten „STOP!“ auf. Entweder, sie lässt die Kanne da oder sie soll mir gleich noch eine zweite Tasse bringen. Zum Glück versteht sie das so, wie ich es gemeint habe und lacht mich an – sie hätten auch große Tassen, passend für Wanderer, die einen schweren Tag vor sich haben. Die Frau versteht mich 😅 Ansonsten ist das Frühstück auch absolut in Ordnung, aber kein Vergleich zu gestern. Ich vermisse die Monster-Brötchen. Dafür haben sie hier einen sehr leckeren Heringssalat. Bei dem halte ich mich allerdings zurück, denn ich weiß ganz genau, dass der mich sonst den ganzen Tag lang begleiten wird…

Plitsch-Platsch

Zurück auf meinem Zimmer, mache ich mich wanderfertig. Was in erster Linie bedeutet, dass ich meinen Poncho zurechtlege und ansonsten alles, was irgendwie wasserempfindlich ist, möglichst dicht verpacke. In voller Kampfmontur, also in fröhlichem rot und durch den Rucksack unterm Poncho leicht bucklig, marschiere ich zur Rezeption zum Auschecken. Die leicht verwunderten Blicke ignoriere ich. Das „Sie wissen aber schon, dass es draußen regnet?“ nötigt mich aber doch zu der Gegenfrage, ob ich denn wohl sonst so rumlaufen würde?

Kaum bin ich draußen vor der Tür, spiele ich mit dem Gedanken, an der Straße links statt rechts abzubiegen. Es regnet Bindfäden. Links ist gleich ums Eck der Bahnhof und da fährt alle Stunde ein Zug nach Soltau. Rechts komme ich mit einem kleinen Umweg – ich habe keine Lust, mich wieder durchs Unterholz zu schlagen – zurück auf den HSW und habe noch etwa 2 Kilometer bis nach Soltau. Dass ich gerade in dem Moment den Zug zwar nicht abfahren sehe, aber zumindest höre, macht mir die Entscheidung dann leicht. Bevor ich jetzt eine Stunde auf dem Bahnsteig sitze, bin ich in gut einer halben Stunde auch so in Soltau. Laut Wetterbericht sollen das übrigens „leichte Schauer“ sein. Nun ja.

Ich bin mir nicht sicher, ob ich sie durch meinen Abstecher vom/zum Hotel verpasst habe, oder ob ich sie durch den Regen und dem damit verbunden lustigen „Tritt nicht in die Pfützen“-Spiel einfach total übersehen habe. Aber ich hätte eigentlich an der Grundlosen Kuhle vorbeikommen sollen. Eine kleine geologische Besonderheit, bei der es aber den paar Bildern, die es im Netz dazu gibt, nicht schlimm ist, sie verpasst zu haben. Ansonsten führt der HSW mich an der Soltau Therme vorbei. Noch so ein Ort, wo ich bei dem Wetter jetzt deutlich lieber wäre.

In Soltau selbst gehe ich dann noch einen kurzen Umweg, denn in der örtlichen Touristeninfo hole ich mir noch den nächsten Stempel für meinen Wanderpass ab. Und entschuldige mich bei den beiden sehr verständnisvollen Damen, dass ich ihnen den Fußboden volltropfe. Es dauert auch ein bisschen, bis ich den Pass unter meinem Poncho hervorgekramt und nach erfolgter Stempelung auch wieder darunter trocken und sicher verstaut habe. Immerhin halte ich den Verkehr nicht auf, denn außer mir ist niemand da.

Grundsätzlich läuft das, was ich heute von Soltau sehe, unter dem Titel „50 Shades of nasser Backstein“. Gemischt mit einem fröhlichen Grau des Pflasters, das sich am Eingang der Fußgängerzone künstlerisch gen Himmel streckt. Ansonsten ist die Stadt komplett ausgestorben. Die paar Fähnchen, die, warum auch immer, quer über die Straße gespannt sind, können das eher traurige Gesamtbild auch nicht wirklich aufpeppen. Also mache ich mich zügig weiter auf den Weg, denn hier hält mich nicht wirklich etwas.

Bis zur Stadt- und damit der Asphaltgrenze ist es noch ein gutes Stück, das aber wenigstens an überwiegend wenig bis gar nicht befahrenen Straßen entlang führt. Spannend sind die Wohngebiete aber nun auch nicht wirklich. Da es links und rechts nicht viel zu gucken gibt, schaue ich halt auf den Weg vor mir. Aus zweierlei Hinsicht ist das ohnehin empfehlenswert, denn mit erhobenem Kopf regnet es mir unnötig ins Gesicht und dazu kommt, dass ich so die mit Wasser gefüllten Schlaglöcher bzw. generell die Pfützen früh genug sehe. Aber der dritte Grund rettet potentiell Leben. Denn auf den nassen Wegen und Straßen hocken ganz viele kleine Frösche. Das fängt hier in Soltau an und hört heute bis Wietzendorf nicht auf. Ich versuche natürlich, möglichst auf keinen der Kleinen zu treten, auch wenn das manchmal gar nicht so einfach ist. Sie sind halt klein. Und gut getarnt. Hinter den letzten Häusern von Soltau wird es dann zwar schnell deutlich grüner, der Asphalt bleibt mir aber noch ein Weilchen treu.

Wenigstens wird der Regen nach und nach weniger. Das ist gut. Damit hört die Abkühlung von oben aber auf. Das ist schlecht. Nach den heißen letzten Tagen verdampft das Wasser auf dem Boden schneller, als von oben Nachschub kommt und es wird einfach nur unfassbar schwül. Es macht im Grunde überhaupt keinen Unterschied, ob ich den Poncho anbehalte oder ausziehe, denn ich bin sowieso klatschnass. Alles ist seifig-feucht, die Klamotten kleben mir am Leib. Die Welt ist in einen grauen Dunst gehüllt, der es wirklich überall hin schafft. ÜBERALL! Sogar die Klamotten in meinem Rucksack werden heute klamm aus selbigem ausgepackt werden.

Landschaftlich ist es eigentlich ganz nett. Hier zahlt sich der sandige Heideboden aus, denn es ist zwar nass, aber durch den Sand sickert das Wasser sehr schnell ab, sodass sich keine größeren Pfützen bilden. So grundlegend ist es also eigentlich sehr angenehmes Wandern und ich komme echt gut voran. Auch wenn es hinter der Großen Aue – einem Bach, keiner Wiesenlandschaft – mit einem mal unvermittelt ordentlich ansteigt. Mein Wanderführer erzählt mir, das hier seien die Weiher Berge. Aha. Gut, dass ich nur einen davon hoch muss.

Wieder einmal macht hier der Weg eine eigentlich sinnlose Schleife. Das fällt mir erst auf, als ich die Bahnlinie (auch Amerika-Linie genannt) zuerst von Nord nach Süd und ein paar Minuten später wieder von Süd nach Nord überquere. Hier steht ein schönes, altes Bahngebäude, das echt schick wieder hergerichtet worden ist. Ich mag den Stil. Das hier ist zwar „nur“ ein kleines Stell- oder Streckenwärterhäuschen, so ein alter Bahnhof ist natürlich noch ein bisschen toller, aber hey – so als kleiner Fluchtpunkt für den Alltag würde ich das wohl nehmen. Im übrigen geht es dann etwa 500 Meter später sogar noch ein ein drittes mal über die Gleise.

Ich muss zur Bank

Es geht geradewegs auf das Örtchen Abelbeck zu. Ich bin inzwischen gut zwei Stunden unterwegs und würde wirklich gerne eine Pause machen. Vorher kündigt sich aber noch eine alte Freundin schon weitreichend akustisch an. Einmal mehr darf ich nämlich unter der A7 durchwandern. Zumindest ist der Lärm heute einigermaßen erträglich. Ich weiß nicht, ob vielleicht allgemein weniger Verkehr ist, oder der Regen die Geräusche dämpft. Wahrscheinlich eine Kombination aus beidem. Passend zur Autobahn wechselt das Geläuf leider wieder auf asphaltierten Untergrund, phasenweise abwechselnd mit Schotter. aber bei nassem Wetter ist das vielleicht nicht der verkehrteste Untergrund.

Natürlich biegt der HSW kurz vor dem Dorf links ab. Dass es keine Möglichkeit gibt, sich mangels Vorhandenseins auf große Steine oder Baumstümpfe zu setzen, damit kann ich um. Aber es herrscht hier in der Gegend ein entschiedener Bankmangel! Wenn die Menschen, die hier wohnen, spazieren gehen, wollen die sich nicht auch manchmal hinsetzen? Scheinbar ja nicht, anders kann ich mir das nicht erklären… Also gehe ich weiter, denn den Umweg zum Dorf lasse ich bleiben. Wahrscheinlich hätte es da das beste Café Norddeutschlands gegeben mit dem besten Kaffee der Welt und am Tisch hätte ein Hocker gestanden, auf den ich meine Füße hätte hochlegen könnte. Aber pffft, ich schaffe es auch so zur nächsten Bank. Das nächste mal nehme ich einen aufblasbaren Sessel mit…

Weiter geht es durch den Wald und hinter der nächsten Ecke, voilà, steht eine Bank. Die ist natürlich klatschnass, aber das bin ich eh schon genauso, da kann der Hintern durch das Setzen auch nicht noch nasser werden. Also wird es Zeit für ein zweites Frühstück. Nicht nur der Wald um mich herum dampft, ich offensichtlich auch, ist mir beim Gehen gar nicht aufgefallen. …und ich muss dringendst aufs Klo. Links geguckt, rechts geguckt, ein paar Meter in den Wald und ich bin der Meinung das passt. Als Mann ist das ja einigermaßen unkompliziert. Aber es ist natürlich vollkommen klar, dass ich hinter Soltau niemandem begegnet bin und jetzt – wo auch immer die plötzlich herkamen – gleich drei Spaziergänger und Radfahrer an mir vorbei gehen bzw. fahren und selbstverständlich in meine Richtung schauen. Ich mache mich hinter meinem Baum, so weit das mit meiner Statur geht, dünne, aber ob das was gebracht hat? Wenigstens hat niemand etwas gesagt. Eigentlich kann es mir ja auch egal sein, was soll ich denn machen? Wenn ich muss, muss ich. Ist ja nicht so, dass ich das mit Absicht mache. Abgesehen davon, sehe ich von den Herrschaften eh niemals jemanden wieder – und wenn doch, hoffe ich einfach, sie erkennen mich nicht wieder…

Meine Pause ist wirklich ausgiebig, denn wer weiß, wann mir die nächste Bank über den Weg läuft? Während ich also da so sitze, ausdünste, zweitfrühstücke und im Wanderführer blättere, fälle ich den Entschluss, meinen Poncho am Rucksack zu verstauen. Wie schon gesagt: Nasser kann ich fast nicht mehr werden. Leider macht sich meine Blase (also die am Fuß, um die andere habe ich mich ja schon gekümmert) bemerkbar. Es tut zwar nicht wirklich weh, ist aber doch unangenehm und jetzt beim Sitzen, also ohne Last, pocht das kleine Ding ganz gewaltig. Aber ich sage mir, das wird schon gehen – Blasenpflaster klebt ja eh schon drauf und heute morgen habe ich zusätzlich eine Lage Tape drüber gepappt. Da bleibt mir jetzt eigentlich nur, die Socke vernünftig hochzuziehen und den Schuh fest zu schnüren.

Ab und zu lichtet sich der Wald rundherum ein wenig, dann liegt zumindest auf einer Seite des Wegs ein Feld oder ein Stück Wiese. In den Momenten geht wenigstens ein kleines bisschen Wind und sorgt für dringend benötigte Abkühlung. Sobald die Luft steht, ist es, wie durch eine Wasserwand zu waten. Was habe ich die letzten Tage über die Hitze gemotzt. Nur ist das hier leider auch kein Stück besser. Nur halt anders Mist. Heute ist einer meiner seltenen Wandertage, wo ich mir bei jedem Schritt eine Wanderbegleitung herbeisehne, die mich entweder motiviert, wahlweise in den Hintern tritt, oder wir uns gegenseitig mit endlosem Quatschen ablenken können. Aber ich bin halt alleine unterwegs, da muss ich mich selbst irgendwie ins Ziel zwingen. Das klingt jetzt schlimmer, als es ist, aber wenigstens abends wäre das eine oder andere Gespräch echt nicht verkehrt. Aber das Virus, dessen Name nicht genannt werden darf, ist Schuld, dass zum einen sehr wenige Wanderer abseits von einer Tagestour unterwegs sind und andererseits die paar Gestalten sich dann auch abends in den Hotels und Pensionen entweder gar nicht erst treffen oder alleine an verschiedenen Tischen sitzen müssen.

Wandern im Straßengraben

Die nächsten gut anderthalb Kilometer bilden dann mein Lowlight des Tages. So lange geht es nämlich parallel zu einer zum Glück wenig befahrenen Straße erst auf der einen, dann der anderen Seite im Straßengraben weiter. Anfangs noch recht komfortabel, auf einem breiten Weg, der mit Rindenmulch ausgestreut ist. Das federt nicht nur sehr angenehm beim Gehen, sondern riecht auch noch gut. Recht zügig wird der Weg aber sehr schmal. Das ist so lange kein Problem, wie ich nebendran auch einfach durchs kurze Gras gehen kann. Aber das geht ebenfalls recht zügig in etwa einen Meter hohes „Kraut“ über, einen bunten Mix aus Gräsern, Farn und auch Brennnesseln. Die Straße verläuft in Ost-West-Richtung, da scheint hier bei den hohen Bäumen wenig die Sonne hin und das Grün kann sich nach Herzenslust austoben. Die Alternative für mich wäre, direkt auf der Fahrbahn zu gehen, aber dazu fahren dann doch zu viele Autos. Trotzdem brennen mein linker Arm und das linke Bein von den Nesseln. Aber das soll ja gut für die Durchblutung sein, habe ich mal irgendwo gelesen…

Auf der Wanderkarte sind parallel zur Straße auf beiden Seiten Forstwege eingezeichnet. Da das Gelände hier aber alles mal ein Truppenübungsplatz war – die Straße ist auch eine ehemalige Panzerstraße (Wozu brauchen Panzer Straßen?) – und überall Warnschilder stehen, kann ich mir gut vorstellen, dass man beim Verlauf des HSW auf eventuelle Munitionsreste Rücksicht nehmen wollte. Die gibt es hier im Straßengraben dann zum Glück wohl eher nicht. Schöner wird die Strecke dadurch allerdings nicht.

An einem besonders schön zugewachsenen Stückchen kommen mit drei Wanderer mit großen Rucksäcken entgegen, die in der Tat den HSW von Celle aus nach Norden wandern. Sie haben sich vor zwei Tagen unterwegs getroffen und sind seither gemeinsam unterwegs. Ich will auch! Vom Camino heißt es ja, dass der Weg einem nicht gibt, was man will, sondern was man braucht. Wahrscheinlich brauche ich also einfach keine Begleitung, das ist mir einfach nur noch nicht bewusst. Oder die Camino-Magie funktioniert auf dem HSW einfach nicht, wer weiß?

Jedenfalls hier und jetzt nehmen wir uns fünf Minuten Zeit und klönen ein bisschen. Auf die Weise erfahre ich, dass das Elend hier alsbald ein Ende hat und es dann auf einem geschotterten Weg weitergeht. Besagter Weg ist dann auch schnell gefunden und ich bin endlich raus aus diesem Wildkräutergarten.

Der Schotter wird mal wieder zu Asphalt, mehr oder weniger gleichzeitig wandelt sich der Wald zu einer Wiesen- und Felderlandschaft. Bisschen mehr Licht, bisschen mehr Wind. So langsam wird es auch deutlich erträglicher, nachdem die Sonne es geschafft hat, das meiste Wasser zu verdunsten. Ohnehin lasse ich es gemütlich angehen, denn bis Wietzendorf sind es nur noch knappe fünf Kilometer. Allerdings überlege ich kurz, ob ich nicht dem Fahrradweg folgen soll, das wäre nämlich deutlich direkter und anderthalb Kilometer weniger. Was sagt mir das? Der HSW schleift wohl irgendwo wieder rum.

In der Tat geht es zuerst 90° nach links, bevor es rechtzeitig vor dem Weiler Hexenreihe wieder 90° nach rechts geht. Die nächsten Häuser gibt es knapp einen Kilometer weiter bei Meinholz. Ich bin fast verblüfft, dass ich hier nicht auch kurz vorher wieder in die Pläne geschickt werde, es geht tatsächlich mitten durch! Aber wahrscheinlich nur, weil es hier nichts gibt, denn das Dorf ist nur ein loser Verbund alter Bauernhäuser. Aber eine Pause möchte ich jetzt bis zum Ziel eh‘ nicht mehr machen, denn so weit ist es nicht mehr und die gute halbe Stunde halte ich auch so durch.

Ich laufe gerade auf die Hauptstraße zu, da passiere ich eine kleine Gruppe älterer Leute, von denen einer mir hinterher ruft „Guck mal, der hat den ganzen Rucksack voller Pilze!“. Ich sehe glaube ich nicht unbedingt aus, wie ein Pilzesammler, aber ok. Ich erkläre kurz, dass Pilze heute so ziemlich das einzige gewesen ist, dass ich kaum gesehen habe, im Gegensatz zu manch anderen Tagen, dann zieht es mich und auch die Rentner-Gang weiter in entgegengesetzte Richtungen.

Im Prinzip bis Wietzendorf begleitet mich ab Meinholz mal mehr, mal weniger die Hötzinger Aue, der lokale Wasserlauf. Der wird in der Folge satte fünf mal überquert. Abschnittsweise parallel dazu, dann wieder im Bogen drumherum. Kein Wunder, dass der Fahrradweg so viel kürzer ist. Aber immerhin bin ich im Grünen. Kürzer wäre es an der Straße entlang, aber das hatte ich heute ja schon ausreichend. Dann doch lieber die Schleifen.

Zwischendurch geht es noch einmal über eine Kreisstraße. So weit, so gewöhnlich – aber rechts ginge es zum „Südsee Badeparadies“! Was hätte ich jetzt große Lust, einfach dem Wegweiser zu folgen! Sch…. was aufs Wandern! Südsee! Baden! Paradies! Aber nein, ich ignoriere das genau so stoisch, wie heute morgen sie Soltau Therme. Wenn ich jetzt baden gehen würde, ich wäre danach bestimmt nicht in der Lage oder zumindest nicht Willens, noch bis Wietzendorf zu gehen.

Die restliche Strecke bis dahin ist wirklich angenehm zu gehen. Ich bin komplett gemütlich und entspannt unterwegs – und rechne eigentlich nicht mehr damit, dass noch groß etwas Besonderes passiert. Aber dann biege ich um eine Ecke und da steht doch tatsächlich ein Grüppchen Heidschucken und grast fröhlich vor sich hin. Die interessieren sich zwar gerade mal überhaupt gar nicht für mich, aber das ist mir glatt egal. Endlich! Jetzt ist der Heideweg auch für mich offiziell der Heidschnuckenweg.

In Wietzendorf angekommen, stelle ich zwei Dinge fest. Erstens, ich muss noch bis ans andere Ende des Ortes, denn da steht mein Hotel für diese Nacht. Zweitens, ich bin anscheinend echt fix unterwegs gewesen. Rein lauftechnisch war das heute echt gut. Aber ich bin nach wie vor klatschnass, deshalb bin ich heilfroh, wenn ich endlich ankomme, duschen und mir vor allem andere Klamotten anziehen kann.

Kleinigkeiten zum Glück

Angekommen, klage ich der Dame des Hauses mein Leid. Eigentlich habe ich nur danach gefragt, ob ich meine Klamotten nach der obligatorischen Handwäsche irgendwo zum Trocknen aufhängen kann. „Das können sie gerne tun. Aber wir hätten auch Waschmaschine und Trockner.“ Das nutze ich komplett aus und gebe quasi alles in die Wäsche, was irgendwie waschbar ist und das ich nach meiner Dusche nicht noch am Leib trage. Da wirklich alles bis auf die letzte Ecke im Rucksack klamm ist und auch leicht muffig riecht, ist das bitter nötig. Ein paar Stunden später steht ein Wäschekorb vor meiner Zimmertüre und ich bin ein wenig im Frühlingsfrisch-Himmel.

Währenddessen, ich kann in meinen restlichen Klamotten so nun auch nach allgemeinen Wandermodemaßstäben wahrlich nicht draußen rumlaufen, abgesehen davon hat es wieder angefangen, zu schütten, mache ich mich auf meinem Bett lang und genieße ein Nachmittagsschläfchen. Ich bin unterm Strich heute ganz flott unterwegs gewesen, bis zum Abendessen habe ich also noch gut Zeit.

Abends habe ich dann gut Kohldampf. Da passt es prima, dass das Essen sehr, sehr gut und reichhaltig ist. Dazu ein sehr lecker Weinchen auf Empfehlung des Junior-Chefs. Wenn ich ihn richtig verstanden habe, verfügt er bzw. das Haus über einen nicht eben kleinen Weinkeller. Weil’s so lecker ist, gibt es gleich noch ein zweites Gläschen. Eine ganze Flasche wollte ich mir dann doch nicht geben, dann lieber noch einen Nachtisch. Mit Wein kann man übrigens auch sehr gut Statements setzen, siehe unten 👍

Abgesehen vom Wetter auf der ersten Hälfte und dem eher unschönen Stück Straße bzw. dem Straßengraben, was das heute ein gar nicht mal schlechter Tag. Außerdem gab es Heidschnucken zu sehen. Zum Abschluss kümmere ich mich ein bisschen ausgiebiger um meinen Fuß, dafür lasse ich mir einen Eisbeutel geben, den ich in ein kleines Handtuch wickle und das Paket dann mit einem meiner Ersatz-Schnürsenkel um den Knöchel binde. Das ganze dann noch ein bisschen hochlegen und in den Entspannungsmodus schalten.

Morgen wird es ein kurzer Tag, da kann ich ruhig ein bisschen länger schlafen. Regen ist auch keiner mehr angekündigt. Draußen grummelt es ein wenig, aber die Gewitter sind weit weg und morgen noch viel weiter. Es kann also nur ein schöner Tag werden.

Ich merke, dass meine Schrift im Tagebuch noch krakeliger wird, als es meine Sauklaue ohnehin schon ist. Für mich das Zeichen, den Abend zu beenden. Also Licht aus und Traumkino an. Gute Nacht 😴

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