Via Mosana Tag 1 – Der Camino vor der Haustüre

03.08.2019 – Aachen – Clermont-sur-Berwinne (2 + 25 km)

Auf vielfachen Wunsch eines Einzelnen ziehe ich den Bericht über meinen kurzen Abstecher auf den Pilgerweg Via Mosana ein wenig vor. Dieser und der kommende Beitrag drehen sich also einmal mehr um die „Jagd nach der gelben Muschel“ 🤠

Dabei ist mir aufgefallen, dass unter dem Schlagwort „Via Mosana“ zumindest in letzter Zeit niemand etwas über diesen Weg veröffentlicht hat – dann wird es also definitiv Zeit!

Vorgeplänkel

Es heißt ja, dass der Camino vor der eigenen Haustüre beginnt. Heute ist das bei mir sogar wortwörtlich zu nehmen: Ich habe mir ein verlängertes Wochenende komplett frei gehalten, um die ersten beiden Etappen der Via Mosana, des Maaswegs, von Aachen nach Lüttich zu laufen. Sieht man von den gut zwei Kilometern ab, die der offizielle Startpunkt am Aachener Dom von meinem Zuhause entfernt liegt, starte ich wirklich von meiner Haustüre aus. Ich brauche mich ja nicht einmal um die Anreise bemühen, es gibt schlichtweg keine. Das erlaubt es mir auch, loszulaufen, wann ich Lust habe – und dieses Wochenende habe ich total Bock! Wobei ich kurz überlegt hatte, zum Dom die 4 Stationen mit dem Bus zu fahren. 😇

Ich habe Zeit, bin früh dran – um halb 8 stehe ich abmarschbereit vor der Türe – und die Strecke heute ist auch nicht gerade die schwierigste. Auch wenn ich quasi das belgisch-niederländische Äquivalent der Pyrenäen überqueren muss, den Vaalserberg. Immerhin am Dreiländereck knapp 325 Meter hoch und damit der höchste Punkt der kontinentalen Niederlande (auf den ehemaligen niederländischen Antillen gibt es einen Berg, der noch höher ist). Aber der Jakobsweg führt ein Stück weiter südlich darüber, das bedeutet, ich laufe gar nicht erst durch Holland (jaja, ich weiß – Holland liegt eigentlich woanders, hier wäre es die Provinz Limburg), sondern mache gleich nach Belgien rüber. Außerdem spart es so noch bestimmt 5 Höhenmeter. Auch der Rest der Strecke bis Lüttich hat keine großartigen Steigungen vorzuweisen. Weiter ginge der Weg dann über Huy und Namur bis nach Rocroi in Frankreich. Von dort aus käme man auf der Via Campaniensis unter anderem nach Reims und irgendwann nach Vézelay und Le Puy. Aber das ist Zukunftsmusik. Da ich aktuell keine Aussicht auf einen längeren Urlaub habe und auch mein Knie es nicht zulässt (an verschiedenen anderen Stellen schon erwähnt: Meniskusriss), bleibt es erst einmal bei einzelnen Kurztrips an Wochenenden, d.h. also jetzt fürs erste in zwei Tagen bis nach Lüttich.

Die Via Mosana ist erst seit kurzem als Teil des Jakobsweg-Netzwerkes „wiederentdeckt“ worden. Die meisten Pilger zieht es von Aachen oder Köln aus über Trier nach Metz und von dort aus weiter nach Südwesten. Oder sie nehmen die nördliche Route über Maastricht. Das bedeutet, dass ich mich darauf eingestellt habe, der einzige Pilger auf der Strecke zu sein – und dass es nur vereinzelt so etwas wie Herbergen gibt. In Lüttich habe ich mir daher schon vorab ein Bett in einem Hostel reserviert (immerhin ganz Camino-Style im gemischten Schlafsaal). Für die Nacht auf halber Strecke hätte es im Vorfeld zwei sinnvolle Alternativen gegeben und eine nicht so sinnvolle – nämlich in einem Landhotel für €250 die Nacht. Nein, danke. Ansonsten fiel der Campingplatz südlich von Soumagne auch raus – er liegt fast 3 km abseits vom Weg und eigentlich auch schon ein gutes Stück zu weit westlich, so dass es eine Etappe von knapp 40 Kilometern würde. Zusätzlich müsste ich auch noch mein Zelt mitschleppen, also nein, kein Bedarf. Abgesehen davon habe ich mein Zelt zur Zeit verliehen, das ist für die nächsten Wochen in Schottland unterwegs. Bleibt also noch Variante 1, die mir ohnehin am liebsten war: In Clermont-sur-Berwinne gibt es ein einziges Zimmerchen, nur für Pilger, in einem Privathaus. Frühstück gibt’s auch. Also quasi so etwas wie eine Exklusivherberge. Per Mail vorher angefragt und nachdem die Sprachbarriere überwunden war (mein Französisch ist so gut wie nicht vorhanden, Englisch sprechen in Belgien erstaunlich wenig Leute) habe ich mir das Zimmer gesichert. Also wird die erste Etappe ein gemütlicher Spaziergang über etwa 25 Kilometer plus ein bisschen für den Weg von zu Hause aus. Wetteraussichten sind hervorragend, wahrscheinlich aber sogar außerhalb meiner Komfortzone. Wobei das im Hochsommer auch kein Wunder ist, aber mehr als 25 °C braucht es meinetwegen nämlich überhaupt gar nie nicht, schon gar nicht beim Wandern, angekündigt sind 31 °C. Aber – ich wiederhole mich – ich habe Zeit, es hetzt mich niemand und gegen Pausen an dem einen oder anderen schattigen Plätzchen ist ja auch nichts einzuwenden. Trotzdem packe ich mir lieber ein bisschen mehr Wasser und eine Tube Sonnencreme ein. Auch deshalb breche ich früh auf, vormittags ist es temperaturtechnisch ja noch ganz angenehm.

Da ich mir nicht sicher bin, wo es auf der Via Mosana Pilgerstempel gibt, habe ich mir nicht einmal einen Pilgerpass geholt. Dabei wäre das wirklich absolut kein Aufwand, schließlich residiert die Deutsche St. Jakobus Gesellschaft nur fünf Minuten zu Fuß von meinem Büro, da könnte ich also schnell mal hin laufen. Aber zum einen möchte ich unterwegs nicht bei jeder Pfarrei fragen, ob es vielleicht einen Stempel gibt und zum anderen glaube ich auch nicht, dass die Öffnungszeiten jetzt am Wochenende sehr pilgerfreundlich sind, wenn denn überhaupt irgendetwas geöffnet ist. Das Domkapitel in Aachen hat so früh ohnehin noch nicht offen. Das wird also ein stempelfreier Camino, Mal was anderes.

Unterwegs

Schon komisch, ich kenne Aachen wie meine Westentasche, schließlich wohne ich mit einer längeren Unterbrechung schon fast 20 Jahre hier. Mir fällt es daher schwer, den richtigen Blickwinkel für Fotos einzunehmen, um den Start meines Camino zu „dokumentieren“. Schließlich kenne ich das alles zu genüge und es ist – obwohl schön, historisch, interessant – alles nichts Besonderes mehr – wenn ich wollte, könnte ich es mir jeden Tag ansehen. Aber wenn ich ehrlich bin, schaue ich an den meisten Tagen nicht mal auf, wenn ich beim Einkaufen oder Treffen mit Freunden auf dem Weg durch die Stadt z.B. am Dom vorbei komme. Ein, zwei Bilder aus Aachen hier in der Bildergalerie stammen daher nicht direkt vom Unternehmen Jakobsweg, sondern sind bei einem meiner Foto-Streifzüge vor einiger Zeit entstanden. Bitte nehmt es mir nicht übel. Falls jemand von Euch mal in Aachen ist und eine Stadtführung wünscht, einfach melden, dann zeige ich Euch das alles gerne live und in Farbe. 🤗

Noch einmal den Rucksack gerichtet und den Pilgerführer (jupp, auch für die Via Mosana gibt es das) in die Beintasche gesteckt, dann geht es vom Hauptportal des Doms aus Richtung Westen langsam aber stetig bergan. Vororte gibt es in dieser Richtung fast keine, wenn man es ganz genau nimmt, läuft man die ganze Zeit durch den Bezirk „Aachen-Mitte“. Die Stadt hat sich aufgrund der Grenze und des Geländes nach Westen hin nicht allzu breit gemacht. Der Jakobsweg führt direkt an der Jakobskirche vorbei, in der es immerhin zwei Mal im Jahr auch einen Pilgergottesdienst gibt. Die Baumgrenze – also da, wo die Stadt aufhört und der Aachener Stadtwald beginnt – ist bald erreicht, es geht immer bergauf, bergauf, bergauf bis zur unscheinbaren deutsch-belgischen Grenze. Im Wald ist es angenehm kühl und still. Um die Uhrzeit sind auch noch nicht allzu viele Jogger unterwegs, so dass ich kaum jemandem begegne. Das schier unüberbrückbar erscheinende alpine Monster Vaalserberg verliert allerdings zusehends seinen Schrecken und Sauerstoffausrüstung brauche ich hier sicherlich auch nicht, denn nach oben ist es ein ganz entspannter Spaziergang. Ehrlich gesagt, merkt man auf längeren Abschnitten fast gar nicht, dass es überhaupt aufwärts geht.

Das ist das zweite Mal, dass ich auf einem Camino oder ganz allgemein einer Streckenwanderung eine Staatsgrenze überschreite. Einfach so. Mal eben nach Vaals, Kerkrade oder Kelmis Einkaufen fahren zu können, hat natürlich auch viel Schönes. An dieser Stelle ein Hoch auf Europa! Die Reste des Westwalls ein paar Dutzend Meter vor der eigentlichen Grenze zeugen aber davon, dass es vor gar nicht allzu langer Zeit auch völlig anders ausgesehen hat…

An der Grenze liegt, was die Höhenmeter angeht, das „Schlimmste“ schon hinter einem. Um diese Strapazen dann doch irgendwie angemessen zu würdigen, lege ich an der nächsten Bank spontan ein zweites Frühstück ein und zelebriere die rituelle Schlachtung einer Mandarine und eines Apfels. Weil ich’s kann. Bin schließlich schon anderthalb Stunden unterwegs. Ein Gipfelkreuz suche ich allerdings vergeblich.

Achtung Kultur: Bis vor dem ersten Weltkrieg wäre man hier noch gar nicht in Belgien gewesen, sondern in „Neutral-Moresnet“, einem Territorium, das nach dem Wiener Kongress (Napoleon und so) gemeinsam von Preußen und den Niederlanden bzw. dem Deutschen Reich und Belgien verwaltet wurde. Damals war das Dreiländereck für etliche Jahre sogar ein Vierländereck. Trotzdem habe ich vor etwa einem Jahr das erste Mal überhaupt davon gehört, aber mein Geschichtsunterricht in der Schule war auch eher so mittel. Seit 1918 jedenfalls und natürlich auch heutzutage gehört es zu Belgien. Der Ort Moresnet war niederländisch/belgisch, Neu-Moresnet preußisch/deutsch, das Gebiet dazwischen wurde daher Neutral-Moresnet genannt. Liegt ja auch irgendwie nahe. Wäre vielleicht auch etwas für die heutige Zeit – einfach mal eigene Ansprüche zurückstellen und teilen, so hat jeder was davon. Aber ich schweife ab, das hier ist ja kein politischer Blog. Also voran, Pilger!

Bis nach Moresnet-Chapelle, auch Eikchen genannt, geht es weiter durch den mal mehr, mal weniger dichten Wald bergab. Gleich am Ortseingang liegt der Kalvarienberg, der Teil der Wallfahrtsstätte ist. Ich nutze die Gelegenheit für einen kurzen Abstecher und schaue mir den Kreuzweg an. Ein verschlungener Weg führt durch einen dicht mit Bäumen und Sträuchern bepflanzten Park an den verschiedenen Stationen vorbei, die jede für sich wunderschön gestaltet sind. Wieder draußen an der Straße treffe ich einen Jogger, der mir nicht nur einen guten Weg wünscht, sondern auch die Bäckerei gleich um die Ecke empfiehlt, bei der es leckere Teilchen gäbe. Dem Tipp wollte ich eigentlich auch direkt nachgehen und bei der Gelegenheit auch einen Kaffee schlürfen, die Schlange vor der Türe zeugte aber davon, dass das offenbar kein Geheimnis ist. Da ich nicht warten wollte, bin ich weitergezogen.

Bis hierher war ich übrigens ohne meine Stöcke unterwegs, die hingen gut verschnürt am Rucksack. In der Stadt finde ich sie immer ein wenig nervig, weil die Metallspitzen teilweise auf dem glatten Pflaster keinen richtigen Halt finden. Aber ich weiß nichts mit meinen Händen anzufangen und außerdem merke ich, dass die Finger langsam dick werden. Also begleitet mich ab hier das regelmäßige tock-tock meiner Stöcke.

Moresnet an sich wird nur kurz gestreift. Hier gibt es allerdings auch nichts besonderes, außer vielleicht dem großen Eisenbahn-Viadukt, das den ganzen Ort überspannt. Bis Montzen ist der weitere Wegverlauf im Grunde unspektakulär. Am Ortsausgang von Montzen steht allerdings eine alte Eiche am Straßenrand, die sich mir für eine Pause im Schatten fast schon aufgezwungen hat. Es ist inzwischen schon verdammt warm und ein wenig bereue ich es, nicht doch für einen Kaffee angestanden zu haben. Aber so nuckle ich an meinem inzwischen lauwarmem Wasser und esse mir, gemütlich unter dem Baum im Gras liegend, noch einen Apfel. Ich bin vielleicht auch für 5 Minütchen eingedöst. Als ich auf die Uhr schaue, ist es kurz vor 12 und ich mache, dass ich weiterkomme, bevor die Mittagshitze so richtig zuschlägt. Keine 200 Meter weiter hält ein Auto neben mir und der Fahrer, ein älterer Herr, wünscht mir einen Buen Camino! So kann das weitergehen!

Vor Henri-Chapelle geht der Weg noch einmal ein bisschen bergan. Eigentlich absolut nicht schlimm, durch die Hitze schlaucht es aber trotzdem ganz ordentlich. Seit ein paar Kilometern führt der Weg meistens durch die pralle Sonne und ich werde so langsam gar. Es geht aber immerhin ein bisschen Wind, so dass es einigermaßen erträglich bleibt. Neben einem Kaffee hätte ich so langsam aber auch sehr, sehr gerne etwas Kaltes zu trinken! Der Ort selbst wird aber wieder nur gestreift, also gehe ich hier auch wieder leer aus. Kleines Stimmungstief. Passend dazu zeigt der Camino direkt danach seine hässliche Fratze, indem er für einige hundert Meter an der N3, einer vielbefahrenen Straße entlang führt. Zwar ist der Seitenstreifen breit genug, um in einem vernünftigen Sicherheitsabstand zur Fahrbahn zu laufen, aber so richtig wohl ist mir nicht dabei, wenn von hinten alle paar Sekunden ein LKW mit 100 Sachen an mir vorbei brettert. Auf der anderen Straßenseite passiert man das „1st U.S. Infantry Division Monument“, das anzuschauen ich mir aber verkneife – nur ein Lebensmüder geht hier bei dem Verkehr über die Straße. Nicht weit weg befindet sich auch ein großer amerikanischer Friedhof, auf dem fast 8.000 Soldaten begraben sind, die bei der Ardennenoffensive oder der Schlacht um Aachen gefallen sind.

Der Weg ist im Grunde wirklich ausnahmslos gut markiert. Etwa 3km vor meinem Etappenziel Clermont muss ich aber dann doch mein gelbes Buch befragen und das GPS am Handy anschalten. Ich habe länger keine gelbe Muschel mehr gesehen und im Pilgerführer heißt es „am Ortsschild scharf links“. Nur bin ich zwar in einen Ort rein und inzwischen auch wieder rausgelaufen, aber weder stand dort ein Schild, noch ging es irgendwo scharf links ab?! Die Online-Karte zeigt aber eine passende Abzweigung nur ein kurzes Stück weiter und tadaaaa – ich bin richtig. Zwar steht dort kein Ortsschild (mehr), aber die Muschel ist unübersehbar. Kurze Zeit später höre ich von hinten ein „Hallo Pilger!“. Mich überholen zwei Bycigrinas, mit denen ich kurz quatsche und die mit einem „Buen Camino“ aber recht bald wieder in die Pedale treten. Junge, Junge, schwer was los auf diesem Pilgerweg! 😄

Ich bin inzwischen so weit, dass ich nur noch irgendwo sitzen und meine Füße hochlegen möchte. Und am besten vorher den Kopf in einen Eimer Eiswasser tauchen. Mein Hut tut zwar sein bestes, aber mir ist einfach nur heiß. Die letzten zwei Kilometer ziehen sich im wahrsten Sinne des Wortes wie Kaugummi. Meine Schuhe kleben bei jedem Schritt am heißen Teer fest, so dass ich auf den Straßengraben ausweiche. Aber es ist ja bald geschafft. Vorher steht aber noch ein Panzer am Straßenrand. Der alte Sherman gehört zum „Remember Museum“, das hier zu Ehren der Befreiung durch die US-Truppen eingerichtet wurde. Außerhalb Deutschlands, das stelle ich immer wieder fest, haben die Menschen (aus gutem Grund) eine völlig andere Einstellung zum Militär und zum Kriegsgedenken. In Großbritannien z.B. gibt es so gut wie keine Kirche, in der nicht mindestens eine historische Regimentsfahne hängt.

Um kurz vor 16 Uhr bin ich dann endlich in Clermont. Dass das Rathaus nur für mich und meinen erfolgreichen Tagesmarsch geflaggt ist, rede ich mir als Motivationshilfe ein. Aber viel wichtiger ist das offene Café am Ende des Platzes! Das ist so verlockend, dass ich schnurstracks an meiner Herberge vorbei laufe und dort einfalle, um meinen Koffeinpegel zu erhöhen. Ich bleibe sogar noch für eine zweite Runde sitzen, bevor ich meine Gastgeber Renée und Jacques anrufe, dass ich angekommen bin. Eigentlich wollte ich den Schlüssel bei ihnen abholen, aber die beiden lassen es sich nicht nehmen, persönlich vorbeizukommen, mir aufzuschließen und alles zu zeigen. Das Zimmer im alten Pfarrhaus ist riesig groß und gemütlich. Aber es gibt keine Dusche. KEINE! DUSCHE! Renée, die nur französisch spricht und Jacques den Dolmetscher spielen lässt, ist das sichtlich peinlich. Ok, das ist selbst gemessen am Camino-Standard hart, aber auf dem Bett liegen gleich zwei Handtücher und ein Waschlappen. Damit lässt sich zumindest notdürftig auch etwas anfangen. Ich stelle mir dann halt einfach vor, wie das Wasser auf mich runterprasselt…

Nach der Katzenwäsche habe ich mich erst einmal für eine Weile auf das Bett gelegt und mir ein nasses, kaltes Handtuch über die Stirn gelegt, bis ich dann irgendwann aufgehört habe, zu glühen. Danach ging es wieder an die frische Luft, ich wollte mir auf jeden Fall noch die Kirche anschauen. Vor der Tür habe ich dann prompt die beiden Bycigrinas wiedergetroffen. Wo hatte ich die denn überholt? Und wie? Beide waren jedenfalls ziemlich neidisch, dass ich hier und jetzt meine Etappe beendet hatte. Sie wussten noch gar nicht, wie weit sie an dem Tag überhaupt noch wollen und wo sie unterkommen.

Den Abend lasse ich mit einem Bierchen auf der Terrasse des Cafés ausklingen, wo es auch eine Kleinigkeit zum Abendessen gibt. Mein Knie tut ein wenig seinen Unmut kund, aber dem wirke ich mit Schmerzsalbe und einem Eisbeutel entgegen, dem ich im Café erschnorrt habe. Soll sich mal nicht so anstellen, der Arzt hat schließlich Bewegung verordnet!

Heute war das erste Mal, dass ich eine Trinkblase im Rucksack dabei hatte. Eigentlich total praktisch – ich habe regelmäßiger und in kleinen Schlucken getrunken, so wie es sein soll. Außerdem musste ich nicht nach der Trinkflasche angeln oder sogar den Rucksack absetzen (Die sind bei meinem Rucksack echt gut verstaut und wenn man das gute Stück trägt, bekommt man die Flaschen an der Seite eigentlich nicht raus, ohne sich die Arme auskugeln zu müssen…). Aber ich hatte keine Kontrolle, wie viel Wasser denn noch übrig ist. Im Endeffekt hat es ganz knapp hingehauen, aber ich werde wohl beim nächsten Mal zumindest eine kleine Backup-Flasche mitnehmen.

Außerdem muss ich echt an meinem Französisch arbeiten, will ich den Weg irgendwann weiter als bis Lüttich laufen. Im Nachhinein war Latein in der Schule doch irgendwie eine blöde Wahl…

5 Gedanken zu “Via Mosana Tag 1 – Der Camino vor der Haustüre

  1. Sonja M

    Wie praktisch, wenn man direkt vor der Haustür lospilgern kann. An meinem Wahl-Wohnort führt auch einer vorbei… Du bringst mich hier auf eine Idee…

    O.T.: Neben dem Sherman Panzer… ist das ein versteinerter Dalek?

    Gefällt 1 Person

    1. Jetzt, wo du es sagst. Könnte glatt ein Dalek sein 😄

      Unabhängig vom Pilgern gehen hier in Aachen eine ganze Reihe schöner Wanderwege, auch Streckenwanderungen los. Einfach mal loszuziehen, sollte ich definitiv öfter machen.

      …und in Santiago ist man dann irgendwann schneller, als man gedacht hat 👣

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